Ein Interview mit der Online-Marketing-Erfahrenen Birgit Schultz darüber, wie du mit klaren Themen, Vertrauen und smartem Content-Marketing auch im KI-Zeitalter sichtbar bleibst.
💡 Das Wichtigste in Kürze
Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI funktioniert am besten, wenn du deinen Blog als dein Content-Zuhause verstehst – nicht als Ablage für alles, was dir einfällt.
Mit klaren Kernthemen baust du eine erkennbare Topical Authority auf und machst es deinen Wunschkundinnen, Suchmaschinen und KI-Tools leichter, dich einzuordnen.
E‑E‑A‑T (Expertise, Erfahrung, Autorität, Vertrauenswürdigkeit) entsteht durch ehrliche Einblicke, eine starke Über-mich-Seite, eine Autorenbox und regelmäßigen, gut strukturierten Content.
Durch bewusste Conversion-Ziele und Einladungen (z.B. Newsletter, weiterführende Artikel, Angebote) arbeitet dein Content nicht nur für Reichweite, sondern auch für dein Business.
Social Media darf Bühne und Dialograum sein – aber dein Blog bleibt der Ort, an dem du langfristig sichtbar bist und deinen eigenen Marketing-Fahrplan in der Hand behältst.
Podcast-Episode #179: Interview mit Birgit Schultz
Wenn KI plötzlich zwischen dir und deinen Leserinnen stand
Vielleicht hast du es auch gemerkt: Auf einmal hat Google angefangen, Antworten direkt oben in einem kleinen Kasten anzuzeigen. Statt wie früher durch die ersten Suchergebnisse zu klicken, haben viele Menschen diese KI-Zusammenfassung gelesen und waren „fertig“. Gleichzeitig ist in den sozialen Netzwerken die organische Reichweite immer weiter zurückgegangen.
In meinem Interview mit Birgit Schultz haben wir uns genau darüber unterhalten: Was hat sich im Online-Marketing in den letzten Jahren verändert? Was bedeutet das für Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI? Und wie kann dein Blog trotzdem – oder gerade jetzt – wieder für dich arbeiten?
Birgit hat über 30 Jahre Marketing-Erfahrung, mehr als 20 Jahre Selbstständigkeit und mit Marketing Zauber seit 10 Jahren ein eigenes Online-Business aufgebaut. Sie hat die Entwicklung von den „goldenen Zeiten“ der organischen Reichweite bis hin zu KI-Suchmaschinen miterlebt. Und genau dieses Wissen hat sie in unserem Gespräch geteilt.
Was sich im Online-Marketing in den letzten Jahren verändert hat
Als ich Birgit gefragt habe, was sich in den letzten drei bis fünf Jahren im Online-Marketing verändert hat, ist sie direkt tief eingestiegen. Sie hat beobachtet, dass zwei Entwicklungen besonders stark waren:
Algorithmusbasierte Social-Media-Plattformen haben die Daumenschrauben immer enger angezogen. Die organische Sichtbarkeit ist Stück für Stück zurückgegangen. Was vor zehn Jahren noch traumhafte Reichweiten gebracht hat, erreicht heute oft nur einen Bruchteil der Followerinnen.
Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Nutzerinnen angekommen, und zwar sowohl bei der Content-Erstellung als auch beim Suchverhalten.
Auf einmal nutzen Menschen nicht mehr nur Google, sondern stellen ihre Fragen direkt an ChatGPT, Claude oder Perplexity. Und selbst Google hat mit KI nachgezogen:
Oben in den Suchergebnissen erscheinen sogenannte AI Overviews, also KI-generierte Zusammenfassungen.
In den USA ist zusätzlich ein KI-Modus („AI Mode“) ausgerollt worden, der wie die Oberfläche eines klassischen KI-Tools aussieht.
Für Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI bedeutet das:
Viele Nutzerinnen geben sich mit der ersten, schnell gelieferten Antwort zufrieden.
Sie klicken weniger auf die klassischen „zehn blauen Links“.
Der Traffic auf vielen Webseiten ist zurückgegangen.
Google hat dazu sinngemäß gesagt: Ja, es wird weniger Traffic geben, aber der wird hochwertiger sein. Ob das wirklich so ist, steht aus unserer Sicht noch im Raum – die Zeit wird es zeigen. Sicher ist: Die Spielregeln haben sich spürbar verschoben.
Warum sich Bloggen trotzdem gelohnt hat
Trotz all dieser Veränderungen war Birgits Antwort auf meine Frage „Lohnt es sich überhaupt noch zu bloggen?“ sehr klar: Ja, unbedingt.
Für sie war Bloggen:
immer noch die nachhaltigste Form von Content-Marketing,
eine der wichtigsten Möglichkeiten, Expertise sichtbar zu machen,
und für kleine Unternehmen und Solopreneurinnen häufig alternativlos.
Denn:
Viele von uns haben nicht das Budget für große Kampagnen, Fernseh- oder Radiowerbung.
Auch Anzeigen in Social Media sind nicht für jede dauerhaft leistbar oder passend.
Ein Blog hat dagegen langfristig gearbeitet – oft über Jahre. Selbst wenn SEO nicht perfekt war, haben sich Leserinnen über Suchmaschinen oder Weiterempfehlungen den Weg gebahnt.
Birgit und ich waren uns einig: Für Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI ist ein Blog immer noch ein starkes Fundament. Vor allem dann, wenn du:
die SEO-Basics beachtest (z.B. saubere Überschriftenstruktur, lesbare Texte, klare Struktur),
und deine Inhalte so aufbereitest, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen verständlich sind.
Spannend war an dieser Stelle auch der Hinweis von Birgit: Strukturiert aufbereitete Inhalte helfen nicht nur Google, sondern auch den KI-Tools, die auf reale Inhalte zugreifen und sie zusammenfassen. Dein sauber strukturierter Blogartikel hat der KI also überhaupt erst die Chance gegeben, dich sinnvoll zu „zitieren“.
E‑E‑A‑T: Wie du Vertrauen und Expertise sichtbar gemacht hast
Im nächsten Schritt sind wir in ein Thema eingestiegen, das im Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI immer wichtiger geworden ist und wo die Begrifflichkeit den meisten vermutlich noch nicht klar ist: E‑E‑A‑T.
Birgit hat erklärt, wofür die Buchstaben stehen:
E – Expertise
E – Experience (Erfahrung)
A – Authoritativeness (Autorität)
T – Trustworthiness (Vertrauenswürdigkeit)
Oder, wie sie es zusammengefasst hat:
„Es geht darum, den Suchmaschinen klarzumachen, wer wir sind, was wir können, dass wir cool sind und dass der Content, den sie gefunden haben, wirklich von uns stammt.“ – Birgit Schultz
Für dich bedeutet das ganz konkret:
Du zeigst, wer du bist und woher deine Expertise kommt.
Du belegst deine Erfahrung (z.B. seit wann du im Business bist, mit wem du gearbeitet hast).
Du baust Autorität auf, vor allem durch Inhalte, die in die Tiefe gehen und anderen weiterhelfen.
Du sorgst für Vertrauen, indem du regelmäßig hochwertigen Content veröffentlichst.
Ein paar ganz praktische Hebel haben wir im Gespräch genannt:
Eine coole Über-mich-Seite, die nicht nur deinen Lebenslauf runterbetet, sondern deutlich macht, warum genau du zu deinem Thema etwas zu sagen hast.
Eine Autorenbox unter deinen Blogartikeln, die kurz erklärt, wer du bist und warum dieser Artikel von dir stammt.
Backlinks und Erwähnungen: Wenn andere dich verlinkt oder interviewt haben, zeigt das Suchmaschinen und KI-Tools, dass du als Quelle wahrgenommen wirst.
Birgit hat auch betont, wie wichtig es ist, dass du dich nicht nur auf ein einziges Format verlässt:
Blogartikel
Podcast-Folgen
YouTube-Videos
All das kann zusammenwirken und deine E‑E‑A‑T stärken, denn je mehr hochwertige Inhalte es von dir zu einem Thema gibt, desto klarer wirst du als verlässliche Stimme wahrgenommen.
Sie hat an dieser Stelle schon die Brücke geschlagen zu einem Thema, das später noch einmal kam: Content Repurposing und Content Recycling. Inhalte nicht nur einmal zu erstellen und dann in der Schublade verschwinden zu lassen, sondern sie in unterschiedlichen Formaten zu nutzen.
Topical Authority: Wofür du wirklich stehen wolltest
Ein weiterer zentraler Begriff in unserem Gespräch war Topical Authority, also deine Themenautorität. Die Frage dahinter: Für welches Thema willst du wirklich stehen?
Birgit hat dafür ein sehr persönliches Beispiel geteilt. Als sie vor zehn Jahren mit ihrem Blog „Marketing Zauber“ gestartet ist, hat sie über ganz viele verschiedene Marketingthemen gebloggt, weil sie zeigen wollte, dass sie kein „One-Trick-Pony“ ist.
Sie hat über Social Media, Content-Marketing, Wissensmanagement, Facebook Ads und vieles mehr geschrieben. Alles Themen aus dem Marketing-Kosmos, aber sehr breit gestreut.
Ihre Erkenntnis:
„Das ist zwar ganz nett, aber es ist keine Topical Authority.“ – Birgit Schultz
Für dich als Solopreneurin ist das eine wichtige Einladung:
Statt „alles“ abzudecken, wird es immer wichtiger, dich auf 2–3 Kernthemen zu fokussieren.
Das bedeutet nicht, dass du all dein Wissen verleugnen musst. Aber nach außen darf klar erkennbar sein, wofür du in erster Linie stehst.
Sehr bildhaft fand ich den Vergleich, den Birgit genutzt hat:
Ein Blog mit klarem Fokus ist wie ein Romanprojekt mit rotem Faden.
Ein Blog mit „von allem etwas“ ist eher wie eine Anthologie aus vielen Kurzgeschichten. Auch spannend, aber weniger einprägsam.
„Wir schreiben lieber ein Romanprojekt auf unserem Blog als eine Anthologie.“ – Birgit Schultz
Ich habe im Gespräch geteilt, dass ich selbst meinen Blog einmal ordentlich „ausgemistet“ habe. Viele Artikel waren thematisch zwar irgendwo bei mir angesiedelt, haben aber nicht mehr auf meine aktuellen Schwerpunkte wie authentisches Marketing und nachhaltige Sichtbarkeit eingezahlt.
Spannend war:
Das Ausmisten hat mir innerlich mehr Klarheit geschenkt.
Ich musste mich nicht jedes Mal wieder völlig neu in Themen einarbeiten.
Ich konnte Schritt für Schritt in ein großes Themenbecken eintauchen und dort in die Tiefe gehen.
Meine innere Kritikerin hat zwar kurz „Laaaaaangweilig, immer über das gleiche Thema schreiben!“ gerufen. In der Praxis habe ich aber gemerkt: Je tiefer ich in mein Kernthema eingestiegen bin, desto spannender und klarer ist es geworden, und war sowohl für mich und für meine Leserinnen.
Bestehenden Content ausmisten – mit und ohne KI
Ein wichtiger, sehr praktischer Teil unseres Gesprächs drehte sich darum, was du mit deinem bestehenden Content machen kannst. Also all den Blogartikeln, die schon auf deiner Website liegen.
Birgit hat erzählt, dass sie selbst einen sehr umfangreichen Blog mit rund 180–200 Beiträgen hatte und dass sie angefangen hat, radikal auszumisten:
Artikel, die nicht mehr zu ihren Kernthemen gepasst haben, hat sie auf Entwurf gestellt oder gelöscht.
Beiträge, die thematisch noch gut passten, aber zu dünn waren, hat sie ausgebaut.
Sehr lange Artikel mit 8.000–9.000 Wörtern wollte sie neu strukturieren, weil einige KI-Tools mit so langen Texten Schwierigkeiten hatten.
Ihr Ansatz:
„Der effizienteste Weg ist, erstmal das alte Zeug aufzubereiten, bevor ich neue Inhalte produziere.“ – Birgit Schultz
Ich habe an dieser Stelle ergänzt, dass KI-Tools beim Sortieren und Bewerten deiner Inhalte sehr hilfreich sein können – im Sinne von:
Artikel nach Themenclustern sortieren lassen
Vorschläge bekommen, welche Beiträge du behalten, überarbeiten oder löschen könntest
Die entscheidende Bewertung triffst du aber selbst.
Deine persönliche Erfahrung, deine Geschichten und deine Haltung kann und soll dir keine KI abnehmen.
Birgit hat außerdem empfohlen, nicht nur mit einem einzigen Tool zu arbeiten:
„Verlass dich nicht auf dein Leib-und-Magen-KI-Tool. Stell dieselbe Aufgabe verschiedenen Tools und vergleiche die Ergebnisse.“ – Birgit Schultz
So bleibst du kritisch, nutzt die Stärken der Tools, ohne deine eigene Verantwortung für deinen Content abzugeben.
CRO: Wie dein Content wirklich für dich gearbeitet hat
Ein weiterer großer Block in unserem Gespräch war CRO – Conversion Rate Optimierung. Klingt technisch, ist aber im Kern eine sehr einfache Frage:
„Was soll dieser eine Content-Teil für dich tun?“
Birgit hat erzählt, dass viele Jahre lang das Motto im Content-Marketing war: „Teile dein Wissen großzügig.“ Daran ist auch nichts falsch. Aber in Zeiten von KI hat sich etwas verschoben:
Wissen ist noch verfügbarer geworden, z.B. durch Bücher, Blogs, Onlinekurse und eben auch KI.
Wenn dein Content nur aus Wissenshäppchen besteht, ist er austauschbar.
Deshalb war es wichtig, bei jedem Blogartikel (oder jeder Podcastfolge, jedem Video) bewusst zu entscheiden:
Soll dieser Beitrag vor allem Leserinnen binden?
z.B. durch Kommentare, Austausch und Gespräche
Soll er Newsletter-Abonnentinnen gewinnen?
z.B. durch eine gezielte Einladung in deine E-Mail-Community
Soll er auf ein konkretes Angebot hinführen oder direkt verkaufen?
z.B. durch einen Artikel, der ein Programm oder einen Kurs ausführlich erklärt
Birgit hat das mit der klassischen Funnel-Struktur verknüpft:
Top of the Funnel (ToFu):
Reine Wissensartikel – „Wie du …“-Beiträge, die eine erste Frage beantworten.
Middle of the Funnel (MoFu):
Inhalte, die bei einer Kaufentscheidung helfen – z.B. „Worauf du achten solltest, wenn du dir einen Online-Yoga-Kurs kaufst.“
Bottom of the Funnel (BoFu):
Beiträge, die ein konkretes Angebot vorstellen, für Menschen, die quasi schon mit dem Portemonnaie in der Hand dastehen.
Ein Punkt war uns beiden besonders wichtig: CRO bedeutet nicht, in jeden Beitrag fünf aggressive Kaufaufforderungen zu packen. Stattdessen kannst du dir bei jedem Stück Content überlegen:
Was ist der nächste sinnvolle Schritt für meine Leserin?
Wie kann ich sie freundlich dazu einladen?
Ich habe es so zusammengefasst:
„Es geht nicht darum, dass du Druck machst, sondern dass du Menschen, die schon auf deiner Website sind, nicht im luftleeren Raum stehen lässt.“
Statt gar keine Call-to-Actions zu nutzen, kannst du z.B.:
am Ende eines Wissensartikels auf einen vertiefenden Beitrag verlinken,
in der Mitte eines Blogposts sanft auf deinen Newsletter hinweisen,
bei sehr themennahen Artikeln auf ein passendes Angebot aufmerksam machen.
Birgit hat an der Stelle noch ergänzt, dass viele KIs bei Call-to-Actions sehr altmodische Formulierungen vorschlagen („Kaufe jetzt!“, „Sichere dir…“). Sie hat betont, wie wichtig es ist, auch hier deine eigene Tonalität zu wahren:
„Wenn du es dir wie eine Einladung an eine gute Freundin vorstellst, klingt es automatisch weniger nach Befehl.“ – frei nach Birgit Schultz
Social Media vs. Blog: Wo dein Content zu Hause war
Gegen Ende des Interviews sind wir noch einmal auf ein Thema eingegangen, das viele Solopreneurinnen stark beschäftigt: Social Media.
Denn vielleicht kommt dir das folgenden Szenario irgendwie bekannt vor:
Du brauchst ewig, um ein Reel, einen Post oder ein Karussell zu erstellen.
Du klickst auf „Veröffentlichen“ und nach ein paar Stunden ist der Beitrag in der Versenkung verschwunden.
Birgit hat es sehr klar formuliert:
Die Halbwertszeit von Social-Media-Content ist oft extrem kurz.
Das steht in keinem Verhältnis zu der Zeit, die viele in die Erstellung stecken.
Für sie ist Social Media deshalb vor allem eins, nämlich ein Kommunikationsraum, in dem du mit Menschen in Kontakt kommst und kein Ort, an dem dein wichtigster, tiefster Content dauerhaft leben sollte.
Ein spannendes Beispiel von ihr ist, dass ein ein einziger Kommentar von ihr auf LinkedIn eine fünfstellige Reichweite hatte, während sie sonst bei eigenen Posts im Schnitt nur eine dreistellige Reichweite erreicht.
Daraus kannst du für dein Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI einiges mitnehmen:
Dein Blog (oder Podcast/YouTube) ist dein Content-Zuhause, dein Content-Hub.
Social Media ist die Bühne, auf der du Ausschnitte zeigst und Gespräche anstößt.
Kommentare können oft sichtbarer und nachhaltiger sein als noch ein eigener Post.
Ich habe im Gespräch betont, dass es wichtig ist, deine eigene Energie im Blick zu behalten:
„Wir haben alle begrenzte Zeit, begrenzte Energie und begrenzte Lust auf bestimmte Kanäle. Es lohnt sich genau hinzuschauen, was wirklich zu dir passt.“
Wenn du Social Media also nutzen möchtest, kannst du es dir leicht machen, zum Beispiel so (und vielleicht sehen wir uns bei der Gelegenheit mal auf LinkedIn 🤗):
Dir morgens mit deinem Kaffee 10–15 Minuten nehmen.
Durch deinen Feed scrollen und gezielt kommentieren, wo du wirklich etwas beizutragen hast.
Nicht den Anspruch haben, überall präsent zu sein.
Gleichzeitig darfst du Prioritäten setzen und dich fragen, was dir langfristig mehr Sichtbarkeit und Tiefgang bringt und wo du deine Expertise wirklich zeigen kannst.
In unserem Gespräch war die Antwort klar: Dein Blog und dein Longform-Content sind der Ort, an dem du als Expertin erkennbar und auffindbar geblieben bist, auch in einer Welt, in der KI immer mehr Antworten ausspuckt.
Birgit Schultz
Wenn du mehr zu und über Birgit erfahren möchtest, dann findest du die wichtigsten Links hier:
FAQ zu Content-Marketing für Solopreneurinnen zu Zeiten von KI
Brauche ich für erfolgreiches Content-Marketing als Solopreneurin zwingend einen Blog? Du brauchst nicht zwingend einen Blog, aber ein eigenes „Content-Zuhause“ ist extrem hilfreich – gerade, wenn KI und Social-Media-Algorithmen sich ständig verändern. Im Gespräch mit Birgit ist deutlich geworden: Ein Blog ist für viele Solopreneurinnen die nachhaltigste und realistischste Möglichkeit, eigene Inhalte aufzubauen, die nicht nach ein paar Stunden verschwinden und über die du langfristig gefunden wirst. Podcast und YouTube können dieses Zuhause ergänzen, ersetzen es aber selten komplett, weil Texte für Suchmaschinen und KI-Tools besonders gut auswertbar sind.
Wie viele Themen darf ich im Blog abdecken, ohne meine Topical Authority zu verwässern? Birgit hat empfohlen, dich nach außen auf 2–3 Kernthemen zu fokussieren. Das heißt nicht, dass du all dein übriges Wissen „wegschmeißen“ musst. Aber für Leserinnen, Suchmaschinen und KI-Tools sollte erkennbar sein, wofür du in erster Linie stehst. Je klarer dein thematischer Fokus, desto eher baust du eine echte Topical Authority auf – also Themenautorität, die dich als Expertin sichtbar macht.
Was mache ich mit alten Blogartikeln, die nicht mehr zu meinem Fokus passen? Du musst nicht alles sofort löschen (puuuuuh!). Du hast mehrere Möglichkeiten:
Beiträge, die gar nicht mehr zu deinem Fokus passen, kannst du auf Entwurf stellen oder entfernen.
Artikel, die thematisch passen, aber veraltet oder zu dünn sind, kannst du aktualisieren und ausbauen.
Inhalte, die zwar nicht mehr auf deine Kernthemen einzahlen, dir aber wichtig sind, kannst du z.B. in ein E-Book, ein Buch oder Gastartikel verwandeln.
Wichtig ist, dass du deinen Blog Stück für Stück so sortierst, dass er wie ein „Roman mit rotem Faden“ wirkt und nicht wie eine zufällige Sammlung irgendwie interessanter Themen wirkt.
Wie kann ich KI nutzen, ohne dass meine Texte austauschbar werden? KI eignet sich sehr gut als Unterstützung beim Sortieren, Strukturieren und Analysieren deines vorhandenen Contents. Du kannst dir z.B. helfen lassen beim Clustern deiner Artikel zu Themenblöcken, beim Bewerten, welche Beiträge du überarbeiten oder löschen könntest und auch beim Auffinden von Lücken in deiner Themenabdeckung.
Die eigentlichen Texte – vor allem deine Erfahrungen, Beispiele und Geschichten solltest du aber weiterhin selbst schreiben oder zumindest stark überarbeiten. Genau diese persönliche Ebene unterscheidet deine Inhalte von generischen KI-Texten. Birgit hat außerdem empfohlen, mehrere KI-Tools zu vergleichen und ihre Vorschläge kritisch zu prüfen.
Reicht es nicht, wenn ich einfach Social Media mache und mir das Bloggen spare? Eine oft gestellte Frage… Social Media kann sichtbar machen, was du tust, aber die Inhalte dort haben meist eine sehr kurze Lebensdauer. Ein aufwendiges Reel oder ein Karussell kann nach wenigen Stunden schon wieder verschwunden sein. Dein Blog dagegen kann über Jahre hinweg gefunden werden – von Menschen, von Suchmaschinen und von KI-Tools. Im Gespräch mit Birgit wurde deutlich: Social Media ist ideal als Dialog- und Netzwerkraum, aber dein langfristig wertvollster Content gehört auf eine Plattform, die dir gehört – in den meisten Fällen: deine Website und dein Blog.
Das ist die Hauptaussage: Grünes SEO verbindet Sichtbarkeit mit ethischem, datensparsamem Marketing und passt deine Positionierung an deine Werte an.
Warum ist das wichtig: Du ziehst passende Kundinnen an, ohne Druck, Tracking-Wahn und Social-Media-Hamsterrad.
So kommst du direkt in die Umsetzung: Website nutzerfreundlich machen, klare Keywords wählen, nachhaltige Tools nutzen, authentische Texte schreiben, auf SEO, Gastbeiträge und Podcasts statt Dauer-Posting setzen.
In der neuesten Episode meines Podcasts „ALLES IM GRIFF im Online-Marketing“ hatte ich das Vergnügen, Laura Filz zu begrüßen. Nach langer Planung hat es endlich geklappt, und wir konnten uns ausführlich zum Thema grünes SEO und ethisches Marketing unterhalten.
Laura ist seit 2020 als grüne SEO-Texterin und Beraterin selbstständig. Sie unterstützt Selbstständige und kleine Unternehmen dabei, mit ihren sinnvollen Angeboten sichtbar zu werden – und zwar auf eine Art und Weise, die sowohl effektiv als auch ethisch vertretbar ist. Dafür schreibt sie Website-Texte und Blogbeiträge, die von Suchmaschinen gefunden werden, und erklärt praxisnah, wie SEO funktioniert.
In unserem Gespräch haben wir uns damit beschäftigt, was grünes Marketing und grünes SEO überhaupt bedeutet, warum diese Ausrichtung für Laura den entscheidenden Unterschied macht und wie du selbst nachhaltiger im Online-Marketing agieren kannst. Dabei geht es nicht nur um Umweltaspekte, sondern auch um ethische Fragen und einen bewussteren Umgang mit Daten und Kommunikation.
Was ich besonders spannend fand: Laura zeigt, dass Sichtbarkeit im Internet auch ohne manipulative Taktiken und ohne übermäßiges Tracking möglich ist – ein Aspekt, der mir mit meinem Fokus auf Authentizität im Marketing sehr am Herzen liegt.
Podcast-Episode #166: Interview mit Laura Filz
Ist dir das Konzept des grünen SEOs neu? Dann bist du hier genau richtig. Tauche mit mir ein in dieses faszinierende Gespräch, das vielleicht auch deine Sicht auf Online-Marketing verändern wird.
Was bedeutet „Grünes SEO“ überhaupt?
Gleich zu Beginn unseres Gesprächs habe ich Laura gefragt, was genau hinter dem Begriff „grünes SEO“ steckt – ein Konzept, mit dem viele meiner Hörerinnen vermutlich noch nicht vertraut sind. Laura erklärte, dass sie diesen Begriff selbst geprägt hat: „Ich würde sagen, das ist mein Begriff. Ich nenne das einfach so, weil für mich in diesem Begriff ‚grün‘ einfach so viele verschiedene Nuancen drin sind.“
Diese Nuancen umfassen mehrere wichtige Aspekte:
Verzicht auf umfangreiches Datentracking
Laura verzichtet bewusst auf Tools wie Google Analytics: „Ich meine mit grünem SEO, dass ich Suchmaschinenoptimierung mache und dabei kein Datentracking nutze, also auf gut Deutsch, kein Google Analytics bewusst nutze und mich da gegen diese Auswertung und Statistiken entscheide.“
Stattdessen setzt sie auf datenschutzfreundlichere Alternativen wie Koko Analytics – ein WordPress-Plugin, das deutlich abgespeckte, aber dennoch nützliche Daten liefert, ohne dabei personenbezogene Informationen zu sammeln.
Ethische Textgestaltung
„Mit grünem SEO mache ich eben auch Texte sichtbar, die ethisch sind“, erläutert Laura. „Das heißt, die möglichst auf konventionelles Marketing verzichten.“ Sie bezieht sich dabei auf Marketingstrategien, mit denen sie sich nicht wohlgefühlt hat und hinter denen sie nicht stehen kann – wie künstliche Verknappung oder das Schüren von Ängsten.
Fokus auf sinnvolle Angebote
Ein weiterer wichtiger Aspekt: „Mit meiner Arbeit als SEO-Expertin will ich Angebote sichtbar machen, die hilfreich sind, die sinnvoll sind, nachhaltig sind in einem Sinn.“
Laura unterstützt also bewusst Unternehmen und Selbstständige, deren Angebote einen positiven Beitrag leisten. Das können nachhaltige Produkte sein, aber auch Dienstleistungen, die Menschen wirklich helfen und die auf ethischen Grundsätzen basieren.
Nachhaltiges eigenes Business
„Ich nenne mich grüne SEO-Beraterin und SEO-Texterin, weil ich in meinem eigenen Business auch versuche, möglichst nachhaltige Tools zu nutzen, die entweder datenschutzfreundlich sind oder mit Ökostrom arbeiten“, erklärt Laura weiter.
Sie lebt also das, was sie predigt – ein durchgängiges Konzept, das sowohl ihre Dienstleistungen als auch ihre eigene Arbeitsweise umfasst. Für Laura ist „grün“ ein vielseitiger Begriff, der Nachhaltigkeit im ökologischen Sinne, aber auch Ethik und Authentizität in der Kommunikation umschließt.
Was besonders deutlich wird: Grünes SEO ist kein starres Konzept mit festen Regeln, sondern ein flexibler Ansatz, der verschiedene Aspekte vereint und sich kontinuierlich weiterentwickeln kann. Lauras Definition zeigt, dass es bei nachhaltigem Marketing nicht nur um Umweltaspekte geht, sondern auch um einen respektvollen Umgang mit Kundinnen und deren Daten.
Die Vorteile des Verzichts auf Google Analytics
Ein zentraler Punkt in unserem Gespräch war die bewusste Entscheidung, auf umfangreiche Tracking-Tools wie Google Analytics zu verzichten. Dieses Thema trifft bei mir auf offene Ohren, da ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass solche Tools oft mehr Komplexität als Klarheit bringen.
Weniger ist manchmal mehr
Laura nutzt stattdessen Koko Analytics, ein deutlich abgespecktes Tool: „Das ist auch ein Plugin für WordPress. Nur das ist natürlich viel, viel abgespeckter. Die ganzen personenbezogenen Daten, wie bei Google Analytics, werden nicht erhoben.“
Ich konnte ihre Erfahrung bestätigen: „Ich habe mich mit dem Thema Google Analytics und Tracking mal näher beschäftigt. Und ich kenne es von mir selbst – und ich bin ja sehr toolaffin – mich hat es völlig überfordert.“ Ich bin deshalb auf Matomo umgestiegen und ermittle die wichtigstens 10 Daten jeden Monat. Denn die Überforderung mit einem Tool wie Google Analytics ist ein Problem, das viele Selbstständige kennen: Man sammelt Unmengen von Daten, kann sie aber nicht sinnvoll interpretieren oder für Entscheidungen nutzen.
Konkrete Vorteile der Vereinfachung
Im Gespräch kristallisierten sich mehrere Vorteile heraus, die ein Verzicht auf umfangreiches Tracking mit sich bringt:
1. Schnellere Webseiten
Laura betont: „Die Website wird natürlich auch schneller, wenn du Google Analytics rauswirfst.“ Eine schnellere Ladezeit verbessert nicht nur die Nutzererfahrung, sondern ist auch ein wichtiger Faktor für das Ranking in Suchmaschinen. Jedes Script, jeder externe Dienst, den eine Website lädt, verlangsamt sie – oft ohne entsprechenden Mehrwert zu bieten.
2. Datenschutz und Vertrauen
„Es ist aus Datenschutzsicht fragwürdig, was mit diesen Daten passiert, was Google damit macht“, gibt Laura zu bedenken. In Zeiten wachsenden Datenschutzbewusstseins kann ein verantwortungsvoller Umgang mit Nutzerdaten das Vertrauen in die eigene Marke stärken.
3. Fokus auf relevante Kennzahlen
Laura und ich sind uns einig, dass für die meisten Selbstständigen nur eine Handvoll Kennzahlen wirklich relevant sind. „Wenn man zum Beispiel einmal im Monat seine Zahlen tracken will, dass man dann auch ein Tool hat, wo man einfach ganz schnell erkennen kann, was für einen selbst relevant ist“, erkläre ich im Podcast.
Laura ergänzt treffend: „Also Zeit einmal, wenn ich mich da dann eben reinfixen will, die kann ich mir sparen und auch die Nerven, die da dran hängen und draufgehen. Dass ich es dann einfach übersichtlicher habe und mit wenig Zahlen dann auch verstehe: Läuft es gut, läuft es nicht gut? Und dann die Zeit für andere Dinge nutzen kann.“
Die Realität vieler Website-Betreiber
Ein interessanter Punkt, den Laura anspricht: Viele installieren Google Analytics nur, weil es „alle machen“, nutzen es aber dann kaum:
„Ich kriege auch bei meinen Kunden und Kundinnen oft mit, dass viele sich da Google Analytics installieren, weil sie es irgendwie so hören. Das machen irgendwie alle. Entweder nutzen sie es gar nicht, weil sie auch von den ganzen Zahlen oft überfordert sind.“
Diese Beobachtung deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen. Viele Selbstständige haben das Gefühl, sie müssten bestimmte Tools nutzen, um „professionell“ zu wirken – ohne zu hinterfragen, ob diese Tools ihnen wirklich helfen oder ob sie nicht sogar kontraproduktiv sein können.
Der Wert der gewonnenen Zeit
Was wir beide besonders betonen: Die eingesparte Zeit und mentale Energie kann in andere, wichtigere Aspekte des Businesses investiert werden. Anstatt sich in komplexen Statistiken zu verlieren, können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: Inhalte erstellen, Kunden betreuen und die eigene Expertise ausbauen.
Dieser Ansatz spiegelt ein größeres Thema wider, das sich durch unser gesamtes Gespräch zieht: Die Fokussierung auf das Wesentliche und der Mut, vermeintliche „Must-haves“ zu hinterfragen – ein Kernaspekt sowohl des grünen SEOs als auch eines authentischen Marketings.
Der Weg zum grünen Marketing
Ein besonders interessanter Teil unseres Gesprächs war Lauras persönliche Reise zum grünen Marketing. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, die eigene Positionierung regelmäßig zu überprüfen und den Mut zu haben, Werte aus dem privaten Leben auch ins Business zu integrieren.
Vom Schreiben zum SEO
Lauras Weg begann mit ihrer Leidenschaft fürs Schreiben: „Ich wusste damals, ich will mich selbstständig machen als Texterin, einfach weil ich sehr gerne schreibe.“ Der SEO-Aspekt kam dann als Schwerpunkt hinzu, als sie merkte, wie wichtig dieser Bereich ist: „Das kam dann als Schwerpunkt dazu, weil ich dann selbst gemerkt habe, ich brauche das einfach, um dafür zu sorgen, dass mich die richtigen Menschen finden.“
Sie brachte bereits Erfahrungen mit SEO aus einem früheren Job mit und bildete sich in diesem Bereich weiter. Doch der entscheidende Schritt zur „grünen“ Positionierung kam durch externe Unterstützung:
Die Rolle von Unterstützung und Community
„Zum Start meiner Selbstständigkeit war ich damals zum Glück in einem Mastermind, und die hat mich dann dazu ermutigt, weil Nachhaltigkeit einfach in meinem privaten Leben eine große Rolle gespielt hat, das da mit reinzupacken“, erzählt Laura.
Sie gibt offen zu: „Ich glaube, sonst hätte ich mich das beim Start auf keinen Fall getraut. Weiß ich nicht, wie es dann sich entwickelt hätte, keine Ahnung. Aber durch die habe ich dann zum Glück von Anfang an gesagt, okay, ich mache das direkt als meine Zielgruppe, als meine Positionierung, dieses grüne Nachhaltige.“
Diese Erfahrung unterstreicht, wie wertvoll Mentoring und der Austausch mit Gleichgesinnten sein kann, um den Mut zu finden, authentisch zu sein und eigene Werte ins Business zu integrieren.
Von „vegan“ zu „grün“ – Die Entwicklung der Positionierung
Besonders spannend fand ich, dass Lauras Positionierung nicht statisch geblieben ist, sondern sich weiterentwickelt hat: „Am Anfang, also als ich gestartet bin, war ich sogar erst vegane SEO-Texterin und Beraterin, weil ich vegan liebe. Und dann habe ich auch gemerkt, ich glaube nach so einem halben Jahr, ja, boah, das ist sehr scharf, sozusagen sehr spitz.“
Diese Erkenntnis führte zu einer bewussten „Entschärfung“ ihrer Positionierung: „Und ich wollte halt auch keinen ausschließen. Also es war so, es hat sehr ausschließend auch geklungen. Und dieses Grün, da fühle ich mich auch einfach viel wohler mit, weil diese ganzen Aspekte irgendwie drin sind. Und es klingt viel einladender, luftiger.“
Parallelen zu meiner eigenen Reise
Ich konnte mich in Lauras Erfahrungen wiederfinden und teilte meine eigenen Erkenntnisse: „Das ist ja auch so, und das sage ich meinen Kunden auch immer wieder, dass wenn du mit einer bestimmten Positionierung losgehst, wird es wahrscheinlich in 2 oder 3 Jahren wird sich eine Menge geändert haben, weil man natürlich auch selber durch die Arbeit mit Kunden irgendwie erfährt, was einem Spaß macht, was einem wichtig ist, in welche Richtung man gehen möchte.“
Ich erzählte von meiner eigenen Erfahrung, mich in sechs Jahren Selbstständigkeit mehrfach neu zu positionieren: „Ich habe mich ja schon 2 bis dreimal neu positioniert oder meine Positionierung geschärft und dann wieder entschärft, müsste man eigentlich sagen.“ So bin ich ja selbst als Pinterest-Beraterin gestartet, habe dann sogar Pinterest für Podcaster gemacht, um dann schließlich die spitze Positionierung wieder aufzuheben, weil sie sich für mich zu eng angefühlt hat und mir eine nachhaltige und umfassender Sichtweise auf das Online-Marketing wichtiger wurde.
Die Bedeutung von Wohlbefinden in der Positionierung
Was sowohl in Lauras als auch in meiner Geschichte deutlich wird: Die Positionierung muss sich für uns selbst stimmig anfühlen. Laura bringt es auf den Punkt: „Ich soll mich damit wohlfühlen, es soll mir auch Spaß machen.“
Sie ergänzt mit einem anschaulichen Beispiel: „Wenn ich mir vorgestellt habe, okay, jetzt schreibe ich Texte für irgendwie den x-ten Plastikkugelschreiber, da hätte ich gar keinen Bock drauf, sondern ich will ja für Angebote, für Menschen arbeiten, die irgendwie auf meiner Wellenlänge sind und einfach Spaß dran haben.“
Die Lehre: Positionierung als Prozess
Dieser Abschnitt unseres Gesprächs verdeutlicht einen wichtigen Punkt für alle Selbstständigen: Positionierung ist kein einmaliger Akt, sondern ein fortlaufender Prozess. Es geht darum, die Balance zu finden zwischen Differenzierung und Offenheit, zwischen klarer Fokussierung und genügend Spielraum für Entwicklung.
Laura und ich sind uns einig: Das Schöne an der Selbstständigkeit ist genau diese Freiheit, immer wieder zu prüfen, ob die aktuelle Ausrichtung noch passt, und sie anzupassen, wenn sich Prioritäten oder Erkenntnisse ändern. Authentisch zu sein bedeutet auch, die eigene Entwicklung zuzulassen und den Mut zu haben, diese nach außen zu kommunizieren.
Ethisches Marketing ohne Druck
Ein Kernaspekt des grünen Marketings, den Laura vertritt, ist der bewusste Verzicht auf manipulative Taktiken. Dieses Thema liegt mir persönlich auch sehr am Herzen, da ich selbst zunehmend auf authentische Kommunikation setze und mich von klassischen „Verkaufstricks“ distanziere. So versuche ich bereits jetzt, keine Deadlines mehr für Angebote zu setzen oder auf manipulative Kommunikation in meinen E-Mails zu verzichten.
Von konventionellen Methoden zu ethischem Marketing
Laura beschreibt ihren eigenen Weg vom konventionellen zum ethischen Marketing offen: „Beim Marketing da war ich erst total auf der konventionellen Schiene unterwegs, so wie ich es gelernt habe, und habe dann auch einfach gemerkt, boah, das fühlt sich einfach nicht, das passt nicht, ich fühle mich damit nicht wohl.“
Interessanterweise kam die erste Berührung mit konventionellen Methoden ausgerechnet durch das Mastermind, das sie bei ihrer Positionierung unterstützt hatte: „Die Mastermind hat mich damals beim Start ja auch total positiv unterstützt, wie zum Beispiel mit meiner Positionierung. Gleichzeitig war da das klassische Marketing, und diese klassischen Sachen wie, das und das schreibst du auf deine Seite, nur bis x buchbar, nur x Plätze und so, das habe ich dann alles so erstmal mitgenommen und übernommen.“
Konkrete Beispiele manipulativer Taktiken
In unserem Gespräch benennen wir konkret, welche Praktiken aus ethischer Sicht problematisch sein können:
Künstliche Verknappung: Das unbegründete Limitieren von Angeboten, um Druck aufzubauen
Countdowns und Deadlines: Künstlich erzeugte Fristen, die Dringlichkeit suggerieren
Angstszenarien: Das Schüren von Ängsten, um Kaufentscheidungen zu forcieren
Extreme Versprechen: Unrealistische Erfolgsversprechen, die Hoffnungen wecken
Laura betont den Unterschied zwischen natürlicher und künstlicher Verknappung: „Manchmal gibt es die ja, einfach weil es wirklich, keine Ahnung, du sagst, du willst nur 10 Menschen betreuen, weil es sonst zu viel ist. Das ist ja total okay. Nur dieses eben künstlich erzeugte, die Countdowns, die Frühbucherpreise oder auch diese krassen Angstszenarien in den Texten, dieses krasse Druck machen, Angst machen, dass ich da von Stück für Stück weggekommen bin.“
Die Frage nach dem Umsatz
Eine häufige Frage, mit der Laura konfrontiert wird: Wie wirkt sich der Verzicht auf manipulative Taktiken auf die Verkaufszahlen aus? Ihre Antwort ist bemerkenswert ehrlich:
„Ich werde da manchmal gefragt, wie sind denn dann die Zahlen, wie hat sich das ausgewirkt auf den Verkauf, auf den Umsatz? Zum einen kann ich es gar nicht genau sagen, weil es war ja so ein schleichender Prozess, es war ja nicht ab Tag X habe ich das alte nicht mehr gemacht und auf das neue umgestellt.“
Noch wichtiger ist aber ihre Haltung zu dieser Frage:
„Gleichzeitig stelle ich mir diese Frage auch nicht, weil so fühlt es sich für mich richtig an, oder ich fühle mich so wohl, der Outcome passt, und genau diese Frage stelle ich mir so gar nicht. Vielleicht ja, vielleicht würde ich anders, keine Ahnung, X Prozent mehr verkaufen, nur das will ich halt gar nicht auf die Art.“
Meine eigene Erfahrung mit ethischem Marketing
Ich konnte an dieser Stelle eigene Erfahrungen teilen: „Das ist ein ganz guter Punkt, weil ich das ja in meinem Business oder in meinem Marketing auch immer mehr so mache, dass ich ganz von dieser Verknappung weggekommen bin oder halt von diesem Druck.“
Stattdessen bin ich „dazu übergegangen, dass ich ganz viele meiner Angebote einfach öfter erwähne, einfach weil ich denke, es ist wichtig, dass die Menschen erfahren, dass es dieses Angebot gibt und dass sie die Möglichkeit haben, das wahrzunehmen.“
Ich kontrastiere diesen Ansatz mit übertriebenen Verkaufstaktiken: „Aber ohne dass ich sage, du musst jetzt irgendwie bis morgen Abend die und die Uhrzeit, sonst weiß ich nicht, geht dein ganzes Marketing den Bach runter und du wirst nie wieder Geld verdienen.“
Obwohl ich betone, dass ich hier überspitze, stimmt Laura zu: „So überspitzt ist das gar nicht. Also ganz schlimm teilweise.“
Die Qualität der Kundenbeziehungen
Ein Aspekt, den Laura anspricht und der oft übersehen wird: Die Art, wie wir Kunden gewinnen, beeinflusst die gesamte Kundenbeziehung:
„Welche Menschen würde ich vielleicht auch dadurch, sag ich mal, gewinnen als Kunden? Will ich mit denen überhaupt arbeiten? Ja, wie fühlen die sich vielleicht auch mit diesem Druck dann? Aus diesem Druck heraus zu kaufen, zu buchen. Und das hat ja auch eine Auswirkung auf die ganze Zusammenarbeit.“
Dieser Gedanke ist zentral: Kunden, die durch Druck gewonnen wurden, bringen diesen Druck oft in die Zusammenarbeit mit. Wer hingegen aus freien Stücken und in seinem eigenen Tempo bucht, tritt meist auch anders in die Geschäftsbeziehung ein.
Kundenfeedback und gesellschaftliche Verantwortung
Zum Abschluss dieses Themas sprechen wir darüber, dass Kunden selbst aktiv werden können, indem sie manipulativen Marketing-Praktiken Feedback geben. Ich schlage vor: „Dass wir das gegebenenfalls eben den Anbietern auch zurückspiegeln und sagen: Ich fühle mich als Kunde überhaupt nicht wohl, wenn du mich so unter Druck setzt. Also dein Angebot ist super interessant für mich, aber ich möchte gerne die Möglichkeit haben, es dann anzunehmen, wenn es sich für mich richtig anfühlt, und nicht, wenn die Deadline abläuft.“
Laura stimmt zu und ergänzt: „Ich habe auch schon Angebote dann eben ja nicht gebucht aus solchen Gründen, weil ich dann gemerkt habe, das passt irgendwie nicht, ich fühle mich da nicht wohl. Nur du hast recht, dann vielleicht auch den Schritt zu gehen und das auch so zu kommunizieren.“
Wir beide teilen die Vision: „Was wäre das für eine entspanntere Welt, wenn alle irgendwie einfach immer nur sagen würden, pass mal auf, ich habe hier dieses Angebot. Wenn es jetzt gerade das Richtige für dich ist, dann bist du herzlich eingeladen zuzugreifen und das für dich anzunehmen, und wenn es gerade nicht passt, bin ich da auch völlig fein mit.“
Diese Vision eines ethischeren, respektvolleren Marketings ist ein zentraler Baustein des grünen Marketings, wie Laura es versteht und praktiziert – und sie deckt sich perfekt mit meinem eigenen Streben nach mehr Authentizität in der Kommunikation mit meinen Kundinnen.
SEO zu Zeiten von KI und ChatGPT
In einer Zeit, in der künstliche Intelligenz und Tools wie ChatGPT immer präsenter werden, stellt sich für viele Selbstständige die berechtigte Frage: Lohnt sich die Investition in SEO überhaupt noch? Diese Frage habe ich Laura gestellt, und ihre Antwort war nicht nur klar, sondern auch fundiert und überzeugend.
Eine klare Position: SEO bleibt relevant
Laura bezieht sofort eindeutig Stellung: „Ja, genau, werde ich oft gefragt und höre ich auch immer, SEO ist tot und keine Ahnung. Meine Meinung ist da klar, nein, SEO lohnt sich immer noch oder vielleicht sogar gerade jetzt.“
Sie begründet diese Überzeugung mit mehreren Argumenten, die den aktuellen Stand der Online-Suche und die Entwicklung der KI-Nutzung realistisch einschätzen.
KI erzeugt mehr Content – Authentizität wird wichtiger
Ein zentrales Argument, das Laura vorbringt: „Zum einen gibt es durch diese ganzen KI-Modelle wie ChatGPT immer mehr Texte, also es ist ja angeblich viel leichter, hochwertige Texte zu erstellen, also es gibt noch mehr Texte, Content da draußen im Internet.“
Diese Zunahme an (oft generischem) Content führt paradoxerweise dazu, dass echte, authentische Inhalte wertvoller werden:
„Umso wichtiger, dafür zu sorgen, dass ich mit authentischen Texten, die sich wirklich nach mir anhören, sichtbar bin zu meinem Thema, für meine spezifische Zielgruppe.“
In einer Welt, in der jeder innerhalb von Sekunden KI-generierte Texte erstellen kann, wird die menschliche, individuelle Stimme zum Unterscheidungsmerkmal – ein Punkt, der mich persönlich in meinem Fokus auf Authentizität bestärkt.
Die Zahlen sprechen für sich
Laura untermauert ihre Position mit konkreten Nutzungszahlen: „Wenn wir uns dann auch mal Zahlen anschauen, also Google ist immer noch mit weitem Vorlauf Anlaufstelle für Menschen, die etwas suchen im Internet. Ich habe jetzt gar nicht die genauen Zahlen im Kopf, aber es sind Milliarden Suchanfragen pro Tag. Bei ChatGPT sind es Millionen. Das ist immer noch ein sehr großer Unterschied.“
Sie fügt einen überraschenden Vergleich hinzu: „Zahlmäßig liegt sogar DuckDuckGo vor ChatGPT.“ Diese Tatsache relativiert die manchmal übertriebene Vorstellung von der aktuellen Bedeutung von ChatGPT als Suchkanal erheblich.
Hinweis: Während Google täglich rund 14 Milliarden Suchanfragen verarbeitet, erreicht ChatGPT dagegen lediglich etwa 37,5 Millionen bis 1 Milliarde. Die Zahlen schwanken sehr.
Ein besonders wichtiger Punkt in Lauras Argumentation: SEO und KI stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern können sich gegenseitig verstärken:
„Und umso sichtbarer ich ja auch in Suchmaschinen bin, umso mehr habe ich überhaupt, oder ich habe dann erst überhaupt eine Chance, auch in ChatGPT sichtbar zu sein, weil dieses KI-Tool oder auch andere können mich dort natürlich auch als Experten, Expertin oder als Quelle nennen, nur dafür brauche ich meine Sichtbarkeit im Internet, also durch Suchmaschinenoptimierung.“
Sie fasst es treffend zusammen:
„Also das eine befruchtet, sage ich mal, das andere und deshalb glaube ich, ist es jetzt noch wichtiger, eben, sage ich mal, die SEO-Hausaufgaben zu machen.“
Qualität statt Quantität bei Klicks
Laura spricht einen wichtigen Trend an, den sie beobachtet: „Es gibt natürlich weniger Klicks auf Websites. Das merkt man schon, weil viele Fragen entweder auch ja bei Google oben direkt beantwortet werden oder eben in KI-Tools generell.“ Doch sie relativiert diese Beobachtung sofort: „Nur, wenn Menschen sich dann tiefer damit beschäftigen wollen, gibt es ja immer noch die Möglichkeit, also sich dann wirklich auf einer Webseite weiter zu informieren.“
Zudem betont sie einen wichtigen Aspekt: „Weniger Klicks gilt ja für alle. Das heißt, alle Webseiten merken das, oder Websitebetreiber, Betreiberinnen. Trotzdem ist aber weiterhin dieser erste Platz oder die ersten Plätze in den Suchergebnissen, also die relevantesten, also die, die immer noch mehr Sichtbarkeit oder am meisten Sichtbarkeit bringen. Und dafür ist SEO einfach nach wie vor wichtig.“
Anpassungen in der SEO-Strategie
Auf meine Nachfrage, ob sich SEO durch KI verändert und ob man bestimmte Dinge anders machen sollte, antwortet Laura:
„Ja, ich würde schon sagen, dass es spezifischer wird, ja, also dass ich mir nochmal auch spezifischere, längere Keywords besonders anschaue.“ Sie betont, dass der Fokus noch stärker auf Einzigartigkeit und persönliche Perspektive gelegt werden sollte: „…einfach nochmal mehr gucke, ist da irgendwie meine Haltung drin, meine Persönlichkeit, meine Arbeitsweise, die sich unterscheidet, was auch immer.“
Ein wichtiger Aspekt sei auch die Integration von Erfahrungsberichten: „Vielleicht auch Erfahrungsberichte schon mit einstreuen von Kunden, weil die Klicks, die es dann gibt auf meine Seite, auf meine Texte, die sind auch wirklich, sag ich mal, qualitativ. Also die können wirklich zu Kunden, Kunden oder einfach auch Kontakten werden.“
Zwischenfazit: SEO bleibt ein unverzichtbarer Baustein
Zusammenfassend macht Laura deutlich, dass SEO trotz – oder gerade wegen – der KI-Entwicklung ein wesentlicher Bestandteil einer erfolgreichen Online-Strategie bleibt. Die Bedeutung hochwertiger, authentischer und spezifischer Inhalte nimmt sogar zu, während die technischen Grundlagen des SEO weiterhin das Fundament für die Sichtbarkeit bilden.
Für mich persönlich ist diese Erkenntnis wertvoll, da sie bestätigt, dass mein Fokus auf authentische Inhalte und klare Kommunikation nicht nur aus ethischer, sondern auch aus strategischer Sicht der richtige Weg ist. Die Kombination aus Authentizität und technischem SEO-Wissen schafft eine robuste Grundlage für langfristige Sichtbarkeit – unabhängig davon, wie sich KI-Tools weiterentwickeln.
Praktische SEO-Tipps für Selbstständige
Nach den grundlegenden Überlegungen zur Bedeutung von SEO in Zeiten der KI wollte ich von Laura konkrete, praktische Tipps für meine Hörerinnen erhalten. Was können Selbstständige und kleine Unternehmen tun, um ihre Sichtbarkeit bei Google zu verbessern?
Fokus auf Nutzerfreundlichkeit als SEO-Grundlage
Laura betont zunächst einen grundlegenden Aspekt, der oft übersehen wird: „SEO hat ja auch ganz viel damit zu tun, dass unsere Website, ich sage gerne so eine Wohlfühloase ist für alle Menschen, die dort landen. Das heißt, ich verstehe schnell, worum es geht, bin ich hier richtig und wo finde ich was.“
Diese Perspektive ist wichtig, denn sie zeigt: SEO ist nicht nur eine technische Disziplin, sondern hat viel mit der Benutzererfahrung zu tun. Suchmaschinen wie Google bewerten Websites auch danach, wie gut sie die Bedürfnisse der Nutzer erfüllen.
Die Macht der Schrift: Ein oft unterschätzter Faktor
Lauras erster konkreter Tipp betrifft die Textdarstellung auf Websites: „Was da in 2 Minuten umgesetzt ist, aber echt große Wirkung hat, ist die Schrift. Weil ich sehe immer noch auf Websites, wo die Schrift entweder super klein ist oder verschnörkelt oder sehr blass im Kontrast.“
Sie gibt klare Richtlinien zur Verbesserung:
„Die Schrift sollte ungefähr mindestens 16 Pixel groß sein“
„Sie sollte keine Serifen haben, also eine Serifenlose Schrift“
„Der Kontrast sollte einfach stimmig sein“
Laura fasst zusammen: „Da hast du schon mal viel für die Nutzerfreundlichkeit und damit auch Sichtbarkeit getan.“ Diese einfache Maßnahme kann tatsächlich innerhalb weniger Minuten umgesetzt werden und verbessert sowohl die Lesbarkeit als auch die Verweildauer auf der Website – beides Faktoren, die sich positiv auf das SEO-Ranking auswirken.
Navigation optimieren: Klar und übersichtlich
Der nächste Tipp betrifft die Navigation: „Dann ist auch noch so ein Punkt, der einfach wichtig ist, sich auf deiner Website zurechtzufinden, das Menü. Also dass da wirklich klare Namen sind, also über mich, Blog, dass es wirklich klar ist, was finde ich da, dass ich nicht erst irgendwie kreativ werden muss, überlegen muss, was meint sie oder er jetzt damit.“
Laura rät zu einer überschaubaren Menüstruktur: „Es sollten so ungefähr, wenn es geht, nicht mehr als 7 Menüpunkte sein, weil es einfach auch sonst unübersichtlich wird.“
Diese Empfehlung deckt sich mit dem Prinzip der „kognitiven Belastung“ – je mehr Auswahlmöglichkeiten Menschen haben, desto schwieriger fällt ihnen die Entscheidung. Ein klares, übersichtliches Menü hilft Besuchern, sich schnell zu orientieren, und senkt die Absprungrate.
Keyword-Recherche: Der Schlüssel zur Sichtbarkeit
Als dritten und grundlegendsten Punkt nennt Laura die Keyword-Recherche: „Und dann ist natürlich die Basis, sichtbar zu werden, vor allem für die Menschen, denen ich weiterhelfen kann, mit denen ich arbeiten möchte, die Keywords.“
Sie räumt gleich ein: „Das ist natürlich ein Prozess, die Keyword-Recherche, die passiert jetzt nicht mal eben so nebenbei.“ Doch sie bietet einen zugänglichen Einstieg:
„So der allererste Schritt, brainstormen, erst mal gucken, mit welchen Begriffen suchen die Menschen nach meinem Thema.“ Dafür hat sie einen besonders cleveren Tipp: „Was ich finde, was da ein schöner Weg ist oder ein Weg, den Erstkontakt sich mal anzuschauen. Also wenn die Menschen zum allerersten Mal geschrieben haben, sei es per Mail oder weiß ich nicht, auf Instagram oder was auch immer, weil es dann so deren unverfälschter U-Ton ist. Also so welche Frage haben die mir dargestellt, welche Begriffe genutzt, mit welchem Thema kommen sie, mit welchen Problemen.“
Diese Methode ist brillant in ihrer Einfachheit: Statt theoretische Keyword-Recherche-Tools zu nutzen, schlägt Laura vor, sich an der tatsächlichen Sprache der Zielgruppe zu orientieren. Wer die exakten Formulierungen kennt, mit denen potenzielle Kunden ihre Probleme beschreiben, hat einen enormen Vorteil bei der SEO-Optimierung.
Ich konnte an dieser Stelle einen eigenen Tipp beisteuern, der sich in meiner Praxis bewährt hat: „Ich liebe es ja auch total, bei Google irgendwas einzugeben und dann gibt es ja immer dieses Dropdown, wo dann so Auto-Vervollständigungs-Vorschläge sind. Das finde ich auch immer ganz cool. Das habe ich damals auch für Pinterest ganz viel genutzt.“
Diese Methode ist ein einfacher Weg, um zu sehen, wonach Menschen tatsächlich suchen, wenn sie einen bestimmten Begriff eingeben. Die Vorschläge basieren auf häufigen Suchanfragen und geben wertvolle Einblicke in die Denkweise und Sprache der Zielgruppe.
Den kritischen Blick von außen einbeziehen
Ein weiterer Aspekt, den ich anspreche, ist die Bedeutung einer externen Perspektive: „Man ist ja so ein bisschen in seiner eigenen Blase gefangen oder man nimmt sich jemand zur Seite, der nicht genau vom Thema ist und lässt eben denjenigen mal über die Website gucken und fragt ihn, erkennst du überhaupt, was ich mache, oder könnte ich das irgendwie klarer darstellen?“
Dieser Tipp ergänzt Lauras Empfehlungen perfekt: Manchmal sind wir so tief in unserem eigenen Fachgebiet verwurzelt, dass wir nicht mehr erkennen können, ob unsere Kommunikation für Außenstehende verständlich ist. Ein unbefangener Blick kann wertvolle Hinweise geben, wie die Website nutzerfreundlicher und damit auch SEO-optimierter gestaltet werden kann.
Der rote Faden: Verständlichkeit und Nutzerzentrierung
Was alle Tipps von Laura verbindet: Sie zielen darauf ab, die Website für Besucher verständlicher, zugänglicher und nützlicher zu machen. Dies deckt sich mit der Philosophie moderner Suchmaschinen, die Websites bevorzugen, die ihren Nutzern einen echten Mehrwert bieten.
Besonders wertvoll an Lauras Tipps ist, dass sie ohne technisches Spezialwissen umgesetzt werden können und dennoch eine spürbare Wirkung erzielen. Sie beweisen, dass effektives SEO nicht kompliziert sein muss – es beginnt mit dem Fokus auf die Bedürfnisse der Zielgruppe und einer klaren, zugänglichen Kommunikation.
Nachhaltige Tools für dein Business
Nach den konkreten SEO-Tipps wollte ich von Laura mehr über die praktische Umsetzung des grünen Marketings erfahren. Welche Tools und Maßnahmen kann man als Selbstständige oder kleines Unternehmen nutzen, um nachhaltiger zu arbeiten? Ihre Antworten bieten wertvolle Einblicke und praktische Alternativen zu gängigen Lösungen.
Webhosting: Die oft übersehene ökologische Komponente
Ein erster wichtiger Aspekt, den Laura anspricht, ist das Webhosting: „Du kannst zum Beispiel immer schauen, welchen Webhost-Anbieter du hast. Da werden ja oft so diese Ami-Anbieter genannt. Da gibt es halt auch echt einige, also die dann, wenn es geht, Standort zum Beispiel in Deutschland haben, mit Ökostrom arbeiten.“
Diese Überlegung überrascht viele, da Webhosting oft als rein technische Entscheidung betrachtet wird. Dabei hat die Wahl des Hosters durchaus ökologische Relevanz – Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen an Strom, und je nach Energiequelle kann der CO2-Fußabdruck erheblich variieren.
Ich konnte an dieser Stelle einen eigenen Erfahrungswert beisteuern: „All-Inkl ist zum Beispiel so jemand, ist in Deutschland und hat, arbeitet mit Ökostrom. Habe ich nämlich extra noch nachgeschaut, weil ich bei All-Inkl bin und wollte dann eben wissen, wie die quasi hosten, und sie sind, also setzen zu 100 Prozent auf Ökostrom.“
Laura ergänzt mit ihrer eigenen Wahl: „Das wusste ich gar nicht. Ich habe Biohost, das ist ein relativ kleiner auch. Und da mag ich es halt zum Beispiel auch, ich bin da keine Zahl. Also wenn ich irgendwas habe, wird mir auch schnell geholfen, und ich bin da irgendwie noch ein Mensch.“
Dieser Punkt verdeutlicht einen zusätzlichen Vorteil kleinerer, lokaler Anbieter: Oft bieten sie einen persönlicheren Service, was gerade für Selbstständige, die nicht über eine eigene IT-Abteilung verfügen, sehr wertvoll sein kann.
Ein weiterer Bereich, den Laura anspricht, sind Newsletter-Tools: „Newsletter-Tool ist auch so was, auch nicht so ein Ami-Tool, einfach aus Datenschutz-Sicht, das dann auch schon fragwürdig ist.“
Sie weist darauf hin, dass es durchaus Alternativen gibt: „Es gibt auch E-Mail-Tools aus Deutschland, es gibt welche aus Europa. Da habe ich einen, genau, immerhin aus Europa.“
Diese Überlegung ist besonders relevant im Kontext der DSGVO und des Datenschutzes allgemein. Newsletter-Tools aus dem EU-Raum bieten oft bessere Garantien hinsichtlich des Umgangs mit Kundendaten und der Einhaltung europäischer Datenschutzstandards.
Videokonferenzen: Jenseits von Zoom
Ein drittes Beispiel, das Laura nennt, betrifft Videokonferenzlösungen: „Zoom ist natürlich auch so der Klassiker. Da gibt es auch mittlerweile die, die irgendwie einen Standort in Deutschland haben oder Europa, die keine Daten erheben, die mit Ökostrom arbeiten. FairMeeting ist zum Beispiel eine Variante. Die nutze ich für meine, zumindest für meine 1 zu 1 Gespräche.“
Sie räumt ein, dass es bei alternativen Anbietern manchmal Einschränkungen geben kann: „In größeren Gruppen ist dann von der Qualität manchmal so eine Sache, aber es gibt auch noch andere.“
Ein Umstieg auf nachhaltigere Alternativen kann also manchmal auch kleine Kompromisse erfordern. Dennoch lohnt es sich, die Möglichkeiten zu prüfen und zumindest für bestimmte Anwendungsbereiche umweltfreundlichere Lösungen zu nutzen.
Der Schlüssel: Bewusstsein und schrittweise Umsetzung
Laura fasst ihren Ansatz zusammen: „Bei dem Tool hat man eigentlich Alternativen, auf die gängigen, die immer so als erstes genannt werden, zurückzugreifen.“
Ich ergänze diesen Gedanken: „Ich glaube, das haben wir ja auch eben schon gesagt, es geht einfach darum, dass man so seine Antennen ein bisschen ausfährt, was das Thema angeht und eben schaut, was kann ich so vielleicht Schritt für Schritt in meinem eigenen Business verändern.“
Dabei betone ich die Wahlfreiheit und den individuellen Ansatz: „Und wenn ich die Wahl habe zwischen unterschiedlichen Tools, nehme ich vielleicht doch lieber eins, was irgendwie lokaler ist und nicht unbedingt ein amerikanisches Tool oder wie auch immer. Aber das darf jeder für sich selber entscheiden und nach eigenem Gusto.“
Die Bedeutung des Prozesses
Was in diesem Teil unseres Gesprächs besonders deutlich wird: Der Weg zu einem nachhaltigeren Online-Business ist ein Prozess, kein sofortiger kompletter Umstieg. Laura bestätigt dies in ihrer Erzählung über ihre eigene Entwicklung:
„Da bin ich auch immer noch im Prozess einfach, wie ich mich da verändere.“ Sie erwähnt, dass es „immer noch Drehschrauben“ gibt und Bereiche, „wo es auch noch so zwischendrin ist, sag ich mal, wo ich auch noch gucke, okay, löse ich mich davon jetzt ganz? Mach ich es vielleicht doch noch mal oder nicht.“
Diese ehrliche Darstellung ist ermutigend für alle, die sich vielleicht von der Vorstellung überfordert fühlen, ihr gesamtes Business auf einmal umzustellen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um bewusste Entscheidungen und kontinuierliche Verbesserung.
Praktische Anwendung: Wo anfangen?
Für Selbstständige, die ihre Online-Präsenz nachhaltiger gestalten möchten, ergibt sich aus unserem Gespräch ein praktischer Ansatz:
Bestandsaufnahme machen: Welche Tools und Dienste nutze ich aktuell?
Prioritäten setzen: Wo habe ich den größten „ökologischen Fußabdruck“? (z.B. Hosting)
Recherche betreiben: Welche Alternativen gibt es für die wichtigsten Tools?
Schrittweise umstellen: Mit einem Bereich beginnen und dann nach und nach weitere Umstellungen vornehmen
Kompromisse akzeptieren: Manchmal ist die nachhaltigste Lösung (noch) nicht die praktikabelste – hier pragmatisch bleiben
Dieser Prozess spiegelt wider, was Laura selbst durchlaufen hat und was sie ihren Kunden empfiehlt: Eine bewusste, schrittweise Transformation, die sowohl ökologische als auch ethische Aspekte berücksichtigt und dabei praktikabel bleibt.
Die Diskussion über nachhaltige Tools zeigt, dass grünes Marketing nicht nur eine Frage der Kommunikation ist, sondern auch der eigenen Unternehmenspraxis. Authentizität bedeutet in diesem Kontext auch, dass die eigenen Werte sich in der täglichen Arbeit und den genutzten Tools widerspiegeln – ein Aspekt, der bei Kunden zunehmend Resonanz findet und Vertrauen schafft.
Social Media und Sichtbarkeit jenseits der Plattformen
Ein überraschender und besonders interessanter Aspekt unseres Gesprächs kam zum Vorschein, als Laura im spielerischen „This or That“-Teil zwischen Instagram und LinkedIn wählen sollte. Ihre Antwort: „Keins.“ Diese Antwort führte zu einem aufschlussreichen Austausch über alternative Wege zur Sichtbarkeit jenseits von Social Media – ein Thema, das für viele überlastete Selbstständige besonders relevant ist.
Lauras Weg weg von Social Media
Auf meine Nachfrage hin teilt Laura ihre persönliche Reise mit Social Media: „Ich habe mich nur bei Instagram angemeldet am Anfang, habe da dann auch gepostet, gepostet immer schon relativ wenig, so zweimal die Woche war meine Regel, weil ich direkt auch gemerkt habe, das laugt mich sonst aus.“
Sie beschreibt ihre Entwicklung: „Und jetzt habe ich seit letztem Sommer, also jetzt schon über ein Jahr, gar nicht mehr gepostet. Weil ich einfach gemerkt habe, es raubt mir mehr Energie. Also es gab schon immer Teile, die haben mir auch noch Spaß gemacht, aber im Ganzen war es mir einfach zu viel.“
Alternative Wege zur Sichtbarkeit
Laura erklärt, wie sie trotz des Social-Media-Verzichts sichtbar bleibt: „Ich habe zwar noch mein Profil, bei LinkedIn habe ich auch ein Profil, aber ich habe da noch nie gepostet und neuerdings denke ich mir jetzt auch, ich mache das, meine Sichtbarkeit, über SEO, über Podcast-Interviews zum Beispiel auch oder Gastartikel, und so soll das funktionieren.“
Laura betont, warum dieser Ansatz für sie besser passt: „Weil so fühlt es sich gut an, macht Spaß, und da ist SEO natürlich auch ein schöner Weg ohne diese Abhängigkeit von Social Media.“
Ein breiterer Kontext: Multiple Sichtbarkeitskanäle
Im Zusammenhang mit unserem früheren Gespräch über SEO ergibt Lauras Strategie besonders viel Sinn: Sie fokussiert sich auf langfristig wirksame Inhalte wie Blogbeiträge, die über Suchmaschinen gefunden werden, anstatt kurzlebige Social-Media-Posts zu produzieren, die nach kurzer Zeit im Feed verschwinden.
Ihre Strategie umfasst:
SEO-optimierte eigene Website: Als Basis für langfristige Sichtbarkeit
Podcast-Interviews: Als Gästin in thematisch passenden Podcasts (wie unserem Gespräch)
Gastartikel: Beiträge für andere Websites und Blogs in ihrer Nische
SEO-Coworking: Ein Format, das sowohl der Netzwerkbildung als auch dem Wissensaustausch dient
Diese Kombination schafft nachhaltige Sichtbarkeit ohne den ständigen Druck, auf Social-Media-Plattformen aktiv sein zu müssen.
Zusammenfassung: Sichtbarkeit nach den eigenen Regeln
Lauras Ansatz zur Online-Sichtbarkeit verkörpert perfekt den Kern des grünen Marketings: Es geht nicht darum, allen vermeintlichen „Regeln“ zu folgen, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen, die sowohl effektiv als auch mit den eigenen Werten und der eigenen Energie im Einklang stehen.
This or That: Die persönliche Seite von Laura
Zum Abschluss des Interviews führte ich mit Laura die in meinem Podcast übliche „This or That“-Runde durch, bei der Gäste spontan zwischen zwei Optionen wählen müssen.
Kaffee oder Tee? „Kaffee.“
Das Meer oder die Berge? „Berge mittlerweile.“ (Obwohl sie erst einmal in den Bergen war, haben sie sie beeindruckt.)
Blog oder Podcast? „Podcast. Ich habe keinen eigenen, aber privat höre ich dann auch selbst einen Podcast.“
Instagram oder LinkedIn? „Keins.“ (Das führte zu unserer vorherigen Diskussion über Social Media.)
Apple oder Windows? „Ich habe einen Apple Laptop.“
Buch oder Film? „Buch.“
Nutella mit oder ohne Butter? „Also wenn dann mit.“
Gemeinsame Vision für ein authentisches Marketing
Im Laufe unseres gesamten Gesprächs wurde deutlich, dass Laura und ich eine gemeinsame Vision teilen: Ein Marketing, das auf Authentizität, Ethik und Nachhaltigkeit basiert. Wir sind beide überzeugt, dass Marketing auch ohne Druck und manipulative Taktiken funktionieren kann und dass es wichtig ist, nur solche Methoden einzusetzen, die sich für einen selbst stimmig anfühlen.
Laura zeigt mit ihrem Ansatz des grünen SEO einen Weg, wie Online-Sichtbarkeit auch nachhaltig und ethisch umgesetzt werden kann – von der Toolauswahl über die Kommunikation bis hin zur Entscheidung, welche Plattformen man nutzen möchte.
Unser Gespräch bot praktische Tipps für SEO und nachhaltigeres Marketing, aber auch Denkanstöße zur grundsätzlichen Herangehensweise an die Online-Präsenz. Es ging nicht nur um die Frage, wie man etwas tun sollte, sondern auch darum, ob man bestimmte Dinge überhaupt tun muss oder ob es Alternativen gibt, die besser zu den eigenen Werten und der eigenen Arbeitsweise passen.
Farben wirken – immer. Sie entscheiden mit, ob jemand deiner Marke vertraut, ob sie einladend, professionell oder sympathisch wahrgenommen wird. Und das passiert oft in Sekundenbruchteilen.
In der Business-Welt sind Farben also mehr als nur Dekoration. Sie sind ein kraftvolles Kommunikationsmittel, das Werte, Haltung und Positionierung sichtbar macht – lange bevor jemand deine Texte liest oder mit dir spricht.
Und vielleicht kennst du auch das Gefühl, vor der Entscheidung zu stehen, welche Farben du für dein Business verwenden sollst? Vielleicht tendierst du zu deinen Lieblingsfarben oder folgst spontanen Eingebungen.
In der neuesten Folge meines Podcasts „ALLES IM GRIFF im Online-Marketing“ habe ich die Designerin und Expertin für visuelle Kommunikation Silke Jacobi zu Gast. Silke liebt es, stimmige Konzepte zu entwickeln, die einen echten Wow-Effekt auslösen. Gemeinsam tauchen wir tief in die Bedeutung von Farben im Marketing ein – und warum du deine Lieblingsfarbe besser nicht für dein Branding verwenden solltest. Sie ist übrigens der Grund, warum meine Call-to-Action-Buttons heute orange sind und nicht mehr altrosa.
Podcast-Episode #162: Die Macht der Farben im Branding – Interview mit Designerin Silke Jacobi zu Branding und Farben im Business
Warum deine Lieblingsfarbe nicht ins Branding gehört
„Nimm bloß nicht deine Lieblingsfarbe. Bitte, bitte, bitte, bitte!“, betont Silke gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Der Grund dafür ist einleuchtend: Bei deinem Branding geht es nicht um dich, sondern um deine Kunden.
Silke erklärt es mit einem treffenden Sprichwort: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Wir sollten nicht von unseren persönlichen Vorlieben ausgehen, sondern die Bedürfnisse und Erwartungen unserer Zielgruppe verstehen.
Sie bringt ein anschauliches Beispiel: Eine Pflegerin, die mit Senioren arbeitet, braucht ein anderes Farbkonzept als jemand, der eine Kita betreibt. Beide könnten dieselbe Lieblingsfarbe haben – aber diese würde nicht gleichermaßen zu beiden Zielgruppen passen.
Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Bei meiner Gründung habe ich Farben gewählt, die mir gefielen, ohne über deren Wirkung nachzudenken. Das Ergebnis? Ich fühlte mich mit meinem Branding unwohl, und es weckte bei meiner Zielgruppe nicht die gewünschten Assoziationen.
Du wirst mit deiner Farbe gesehen – und sie hat immer eine Wirkung!
Die richtige Zeit für ein professionelles Branding
Wichtig ist auch Silkes klare Aussage: „Ich sage tatsächlich jedem Solopreneur, der startet: Du brauchst am Anfang kein Logo.“
Statt in Design zu investieren, empfiehlt sie Neugründern, ihr Angebot zu testen und ihre Zielgruppe besser kennenzulernen. „Gehe raus und teste deine Dienstleistung, sammle Erfahrungen mit deinen Kunden“, rät Silke. Denn gerade im ersten Jahr oder in den ersten anderthalb Jahren verändert sich oft noch viel bei der Dienstleistung und der Zielgruppe.
Ich musste schmunzeln, als ich überlegte, wann ich selbst zur Designerin gegangen bin – es war ziemlich genau nach anderthalb Jahren. Damals hatte ich mich auf Podcaster spezialisiert und wollte ein Branding, das diese Positionierung unterstützt. Und genau das bekam ich auch.
Wenn du nach einem Designer suchst, gibt Silke einen wertvollen Tipp: „Ein Designer ist dann gut, wenn er mehr zuhört als redet in eurem Erstgespräch.“ Eine gute Designerin sollte tief in dein Business eintauchen, Informationen sammeln und verstehen, worum es dir wirklich geht.
„Wenn du überzeugt bist davon, dass du den Unterschied machst, dann ist es deine Aufgabe rauszugehen und dich zu zeigen.“ (Silke Jacobi)
Wie Farben die Zielgruppenansprache beeinflussen
Jede Farbe transportiert Gefühle und löst etwas in uns aus – das ist Farbpsychologie. Silke erklärt, dass Banken oft Blau verwenden, weil diese Farbe für Vertrauen und Sicherheit steht.
Aber was passiert, wenn alle in deiner Branche dieselbe Farbe nutzen? „Dann bist du nur eine von vielen“, erklärt Silke. Ein brillantes Beispiel für Differenzierung durch Farbe ist die Telekom mit ihrem markanten Magenta. In einem Markt, wo niemand Pink verwendete, traute sich die Telekom, anders zu sein. Das Ergebnis: Jedes pinke T wird sofort mit der Telekom in Verbindung gebracht.
Silke klärt auch die Begriffe Brand und Branding: „Eine Brand, die Marke, ist das Bild, das dein Kunde von dir in seinem Kopf hat. Branding ist das, was dein Kunde da draußen von dir sieht und wahrnimmt.“
Die Farbwahl kann auch von natürlichen Assoziationen beeinflusst werden. Silke würde beispielsweise einer Bäckerei mit ökologischen Lebensmitteln nie empfehlen, Gelb zu verwenden – denn in der Natur ist Gelb eine Warnfarbe für Gift, wie bei Wespen oder auf Warnschildern für Chemikalien. Auch Blau verbinden wir nicht mit gesunden Lebensmitteln.
Keinen Beitrag und keine Episode mehr verpassen?
Hinterlasse mir deine E-Mail-Adresse und ich informiere dich:
Die Wirkung einzelner Farben im Überblick
Farben sprechen eine eigene Sprache – und zwar überall dort, wo Menschen visuell kommunizieren. Silke Jacobi macht deutlich: Jede Farbe trägt eine bestimmte Bedeutung in sich. Wer Farben gezielt einsetzt, kann damit gezielt Assoziationen und Emotionen auslösen.
Dies sind typische Wirkungen von Farben:
Blau: strahlt Ruhe, Klarheit und Seriosität aus. Häufig genutzt in Bereichen, die Vertrauen aufbauen wollen – zum Beispiel in der Finanz- oder Coachingbranche.
Grün: steht für Natürlichkeit, Wachstum und Nachhaltigkeit. Ideal für alle, die mit Lebendigkeit oder Veränderung arbeiten.
Rot: wirkt aktivierend, energisch und präsent. Rot fällt auf – aber kann auch schnell als aggressiv empfunden werden.
Gelb: wird mit Frische, Optimismus und Kreativität verbunden. In Kombination mit Grau kann es sehr edel wirken.
Pink: hat eine große Bandbreite – von verspielt bis selbstbewusst. Je nach Nuance kann es Stärke, Sichtbarkeit oder auch Leichtigkeit transportieren.
Schwarz: vermittelt Eleganz, Tiefe und Kontrast. In Kombination mit Weiß wirkt es besonders markant.
Braun- und Beigetöne: erzeugen Wärme, Bodenständigkeit und Authentizität. Gerade in Coaching- oder Handmade-Businesses beliebt.
Silke betont: Es gibt keine „richtigen“ oder „falschen“ Farben – aber es gibt Farben, die zu deiner Haltung und Positionierung passen oder eben nicht. Wichtig ist, bewusst zu wählen und sich über die Wirkung im Klaren zu sein.
Der Einfluss von Branding auf Preisakzeptanz
Ein überzeugendes Branding beeinflusst nicht nur, wie andere dich wahrnehmen, sondern auch, wie du dich selbst siehst. Silke spricht vom „Halo-Effekt“: Wir schließen vom äußeren Erscheinungsbild auf die Expertise.
Sie erzählt von einer Kundin, die nach ihrem Branding-Prozess sagte: „Das bin ich? Das sieht ja echt professionell aus.“ Silkes Antwort: „Du bist professionell.“ Dieses Beispiel zeigt, wie ein professionelles Branding das eigene Selbstbild stärken kann.
Ein weiteres eindrucksvolles Beispiel: Silke arbeitete mit einer bekannten Astrologin zusammen und gestaltete deren Ausbildungsmaterialien neu. Mit diesem Rebranding erhöhte die Kundin den Preis ihrer Ausbildung um ein Drittel – und hatte selbst das Gefühl, dass es diesen Mehrwert jetzt auch wirklich wert sei.
Das Erstaunliche daran: Die Inhalte selbst hatten sich nicht verändert, aber die Wertigkeit wurde nun auch nach außen transportiert. Gleichzeitig stärkte das neue Branding das Selbstbewusstsein der Anbieterin.
Sichtbarkeit als Selbstständige
Was ist mit Unternehmerinnen, die zögern, sich selbst in den Vordergrund zu stellen? Silke kann das gut nachvollziehen: „Ich war selbst 20 Jahre lang unsichtbar, habe mich immer hinter meinem Rechner versteckt.“
Sie appelliert: „Mit der Entscheidung, Unternehmerin zu werden, haben wir schon einen Schritt getan. In dem Moment, wo wir uns für eine Selbstständigkeit entschieden haben, haben wir auch gesagt: Ich bin es selbst und ich nehme das jetzt wirklich in die Hand.“
Silke vergleicht es mit einer wertvollen Medizin: „Wenn du ein Mittel gegen Krebs hättest, wo nach kurzer Einnahme der Patient geheilt wäre – würdest du damit hinterm Berg halten? Das würde keiner machen. Genauso ist es mit deiner Dienstleistung. Wenn du überzeugt bist, dass du den Unterschied machst, dann ist es deine Aufgabe, rauszugehen und dich zu zeigen.“
Ein wichtiger Bestandteil des Brandings sind für Silke professionelle Fotos. Sie empfiehlt, ein Bildkonzept zu erstellen, das genau festlegt, wie die Fotos wirken sollen – nah oder distanziert, farbig oder entsättigt. Mit diesem Konzept kann man dann zum Fotografen gehen, was beiden Seiten Sicherheit gibt.
Branding weiterentwickeln, nicht neu erfinden
Ein gutes Branding kann und sollte sich weiterentwickeln. Silke ist ein Fan von Weiterentwicklung, aber kein Befürworter kompletter Neustarts: „Neue Besen kehren gut – und dann wird mal komplett ein Relaunch gemacht, wo die Wiedererkennung überhaupt nicht da ist.“
Sie empfiehlt, wie Nivea vorzugehen: Das Branding wurde über die Jahre angepasst, aber der Wiedererkennungswert blieb erhalten. „Das Bild im Kopf der Kunden wird nicht irritiert.“
Als ich meine Ausrichtung von Pin Your Podcast änderte, behielt ich das Blau bei und entwickelte den Rest weiter. Und lustigerweise kam durch Silke das Orange als Call-to-Action-Farbe dazu, weil sie meinte, wir bräuchten eine „coolere“ Farbe als das bisherige Altrosa. Eine Entscheidung, die ich bis heute liebe!
Die drei wichtigsten Tipps für Starter
Zum Abschluss teilt Silke drei wertvolle Tipps für alle, die gerade starten:
Minimalprinzip oder Experimentieren: Wenn du Spaß am Design hast, tobe dich aus. Falls nicht, halte es einfach: „Nimm deinen Namen und geh raus, kein Logo. Mach und hilf den Menschen mit deiner Dienstleistung.“
Fokus auf die wichtigsten Treiber: „Frage dich, welche drei Dinge bringen mein Business jetzt tatsächlich weiter?“ Das schützt vor Prokrastination und Ablenkung. Silke hat Frauen erlebt, die tagelang nur mit Farben beschäftigt waren und nicht vorankamen.
Erstelle ein Mood Board: Sammle spielerisch Ideen, Farbkarten, Fotografien oder Naturfarben. „Du siehst Veränderungen, aber auch eine bestimmte Entwicklung, wo es hingeht.“
Fazit
Mein Gespräch mit Silke hat mir erneut bestätigt, wie wichtig ein durchdachtes Branding ist – nicht als oberflächliche Verschönerung, sondern als tiefgreifende Auseinandersetzung mit der eigenen Marke und Zielgruppe.
Die Wahl der richtigen Farben ist dabei nur ein Teil des Ganzen, aber ein sehr mächtiger. Farben sprechen direkt zu unseren Emotionen und können Vertrauen schaffen oder auch Skepsis auslösen.
Wichtig ist vor allem: Verliere dich nicht in endlosen Design-Entscheidungen, wenn du am Anfang stehst. Konzentriere dich auf deine Kunden und dein Angebot. Das professionelle Branding wird zum richtigen Zeitpunkt kommen – und dann kannst du es voll auskosten und dich von ihm tragen lassen.
Möchtest du mehr von Silke erfahren? In der vollständigen Podcast-Episode teilt sie noch viele weitere wertvolle Tipps zur Bedeutung von Farben im Marketing. Und falls du Fragen hast, kannst du Silke auch direkt kontaktieren – selbst wenn du noch nicht bereit für ein komplettes Branding bist, beantwortet sie gerne deine Fragen.
Dieser Blogartikel basiert auf dem Transkript des Interviews mit Julia Zichner zur Podcast-Episode #156 des ALLES IM GRIFF im Online-Marketing-Podcasts zum Thema „Authentisch sein war nie wichtiger als jetzt“.
Warum Authentizität jetzt zählt (& Gastporträt)
Silke Schönweger: Herzlich willkommen zu einer neuen Episode von „Alles im Griff im Online-Marketing“. Heute freue ich mich sehr auf ein besonderes Interview – und zwar mit Julia Zichner, Gründerin von Fooducation, Ökotrophologin mit Fokus auf Ernährung & Leistung, ambitionierte Sportlerin und meine geschätzte Kundin aus der Beta-Runde. Unser Thema: „Authentisch sein war nie wichtiger als jetzt“. Warum Authentizität im Business und Marketing so essenziell ist – darum drehen sich unsere heutigen Einblicke.
Julia Zichner: Danke, liebe Silke. Es ist schön, heute über mein anderes Lieblingsthema zu sprechen – nämlich darüber, wie wir authentisch bleiben können in Business und Marketing.
Julia erzählt von ihrem Business – Sporternährung trifft Marketing
Silke: Du begleitest Profis und ambitionierte Sportler:innen dabei, mit Ernährung ihr Potenzial optimal zu nutzen. Magst du kurz erzählen, worin genau deine Arbeit besteht?
Julia: Sehr gerne. Ich habe Ökotrophologie in Fulda studiert – damals hieß das „Haushalts- und Ernährungswirtschaft“. Heute sage ich der Einfachheit halber oft einfach „Ernährungswissenschaftlerin“. Mein Fokus liegt auf der Verbindung Ernährung × Leistung: Was braucht der Körper wirklich, damit Ernährung, Regeneration und Training in der Praxis zusammenspielen?
Ich arbeite vor allem mit Ausdauersportler:innen – Radsport, Laufen, Triathlon – oft kombiniert mit Krafttraining. Dabei schaue ich mir nicht nur Ernährung, sondern auch Blutwerte, Diagnostik und Training im Gesamtzusammenhang an. Ernährung ist nur ein Teil des Puzzles.
Sichtbarkeit: Online vs. Offline & die richtigen Kanäle
Silke: Du bist sowohl online als auch offline sichtbar. Wie erlebst du das?
Julia: Offline nimmt man Gestik und Persönlichkeit noch stärker wahr – das hilft besonders im Erstkontakt, z. B. mit Jugendlichen am Olympiastützpunkt. Online ist es für Erwachsene aber genauso wirksam.
Silke: Und was ist mit Marketing-Kanalwahl?
Julia: Online ist effizient: Mit wenigen Klicks Reichweite erzeugen – allerdings nur, wenn die richtigen Leute erreicht werden. Ich schalte keine Ads. Meine Kanäle: Podcast, Newsletter, Instagram – Facebook läuft eher beiläufig. Wichtig: Weniger ist mehr. Alte Kanäle wie Xing oder Twitter habe ich konsequent gestrichen. Mein Fokus liegt darauf, wo ich sein will und was ich nachhaltig leisten kann.
„Weniger ist mehr. Alte Kanäle wie Xing oder Twitter habe ich konsequent gestrichen.“
Julia Zichner
Der eigene Weg statt Schablone: Angebote, Preise & Branchenrealität
Silke: Du hast gesagt: „Lass dir von Dritten keine ach so tolle Methode einreden…” – wie kam das?
Julia: Das kam aus der Erfahrung: Irgendwann drängt der Wunsch nach Umsatz und man wird empfänglich für „erprobte“ Hochpreis-Formeln. Ich habe mich mal gegen mein Bauchgefühl in ein Programm geklickt, das eher verkaufstechnisch als inhaltlich war – das fühlte sich nicht nach mir an und ich habe abgebrochen.
Ich habe daraus gelernt: Nicht jede Methode passt zu mir – wie bei Ernährung, die wir individuell gestalten.
Silke: Und heute: Angebotsformate und Preisgestaltung?
Julia: Ich arbeite vor allem 1:1, weil Ernährung sehr persönlich ist. Ergänzend biete ich auch Kurzcoachings (½–1 h) für akute Fragen – eine Lösung, die flexibel ist. Preismäßig taste ich mich langsam heran. In der Gesundheitsbranche sind Preise tendenziell geringer – viele orientieren sich an Physiotherapie-Stunden. Dennoch: Wert anerkennen und kalkulieren. Frauen sollten mutiger in der Preisgestaltung sein – auch das ist Teil der Reise.
Content-Strategie & Effizienz im Alltag
Silke: Wie gestaltest du deine Inhalte – Blog, Podcast, Newsletter – inhaltlich und effizient?
Julia: Meine Zielgruppe kennt sich oft schon aus. Meine Inhalte sollen Substanz bieten, aber nicht zur kostenlosen Weiterbildung werden. Zu viel allgemeiner Content macht keinen Unterschied – der wahre Transfer entsteht im 1:1. Daher: Qualität in Form und Menge halten, die ich regelmäßig liefern kann.
Das Thema Effizienz war mir besonders wichtig: Früher habe ich Ernährungsprotokolle langwierig in Software ausgewertet – mit fragwürdiger Genauigkeit. Heute arbeite ich mit App-Screenshots oder Tracking-Ergebnissen – die reichen für die wichtigsten Hebel wie Energiezufuhr und Makroverteilung. So bleibt mehr Zeit für Analyse, Interpretation und tatsächliche Veränderungen im Coaching.
Praktische Tipps für Selbständige, die authentisch sein wollen
Silke: Du hast super Praxis-Tipps – was würdest du jemandem sagen, der gerade nicht weiß, wie er authentisch weitergehen soll?
Auf die Intuition hören! Immer wenn ich mein Bauchgefühl ignorierte, wurde es unruhig. Wenn ich ihm folge – fühlt es sich stimmig an.
Aussortieren: Mach einen Schritt zurück, pausier das, was dich nervt, und schau: Vermisst du es?
Neu ausprobieren mit Bedacht: Externe Unterstützung ist toll, aber bitte maßgeschneidert. Kein One-size-fits-all.
Regelmäßige Bestandsaufnahme: Was bringt dir aktuell fachlich und auch finanziell etwas – was kannst du streichen?
Geduld: Erfolg entsteht über Jahre – nicht über Nacht. Kleine regelmäßige Schritte führen weiter.
„Immer wenn ich mein Bauchgefühl ignorierte, wurde es schwierig. Wenn ich ihm folgte, war es stimmig.“
Julia Zichner
Podcast-Episode #156: Authentisch sein war nie wichtiger als jetzt
This or That – Die spontane Runde zum Schluss
Zum Abschluss: meine „This or That“-Runde – sechs schnelle Fragen:
Kaffee oder Tee? – Kaffee.
Meer oder Berge? – Beides, aber eher Meer.
Blog oder Podcast? – Podcast.
Hören oder Lesen? – Ich höre Podcasts und nutze YouTube; Blogs manchmal bei gezielter Suche.
Instagram oder LinkedIn? – Instagram.
Apple oder Windows? – Apple.
Nutella mit oder ohne Butter? – Kommt aufs Brot an: Wenn Butter nicht schmilzt – gern mit; sonst ohne. Grundsätzlich selten, aber im Hotel gern mal.
Abschlussgedanken & Kontakt
Julia hat eindrücklich gezeigt, dass authentisches Marketing nicht Selbstoptimierung, sondern Selbsterkenntnis ist – ein Weg, der Intuition, klare Entscheidungen und Zeit braucht. Wenn du dranbleiben willst, bleib bei dir.
In dieser Episode meines Podcasts „ALLES IM GRIFF im Online-Marketing“ spreche ich mit Lisa Bendixen über die Erstellung erfolgreicher Onlinekurse. Lisa ist Expertin für die Entwicklung von Onlinekursen und digitalen Produkten und unterstützt Unternehmerinnen dabei, ihre Wissensvermittlung optimal zu gestalten. Hierfür nutzt sie vor allem die Onlinekurs-Plattform ablefy. Im Interview teilt Lisa wertvolle Einblicke zur erfolgreichen Kurserstellung – von der durchdachten Struktur mit effektivem On- und Offboarding über die richtige Plattformwahl bis hin zu bewährten Strategien für die Teilnehmermotivation, die deinen Kurs vom unbeachteten Datengrab zum interaktiven Lernerlebnis machen.
Der Weg in die Selbstständigkeit
Ich: Lisa, du bist als VA in die Selbstständigkeit gestartet. Magst du uns erzählen, wie dein Weg aussah?
Lisa: Mein letztes Anstellungsverhältnis war bei einem Wohlfahrtsverband. Ich bin gelernte Bürokauffrau und habe viele Jahre im Bereich der Fortbildungsorganisation für pädagogische Fachkräfte gearbeitet. Die letzten zwei Jahre hatte ich dort eine Stelle als Koordinatorin im Fördermittelmanagement für soziale Projekte.
Es herrschte ein wahnsinniger Druck – immer dieses „Du musst mehr schaffen, wir müssen Stellen reduzieren“. Die Stelle war eigentlich für 1,5 bis 2 Vollzeitstellen ausgelegt, und ich hatte nur 23 Stunden. Da ich schon meine Tochter hatte, war es immer zu viel, immer zu krass. Irgendwann wollte ich diesen Stress einfach nicht mehr.
Ich begann, mich auf Instagram zu bewegen und hatte ein Jahr zuvor einen Social Media Management Kurs bei der IHK gemacht. So kam ich in diese Online-Bubble. Dann habe ich mich mit dem Thema beschäftigt: Welche Möglichkeiten gibt es? Was kann ich noch machen? Welche Fähigkeiten habe ich?
Eine Bekannte sagte dann zu mir: „Werde doch Virtual Assistentin!“ Ich wusste nicht, was das ist, und war erst total skeptisch. Als ich anfing zu recherchieren, fand ich das interessant und meldete mich zu einer Workshop-Woche im Januar an. Nach dem dritten Tag habe ich meinen Laptop zugemacht, wieder aufgemacht und meine Kündigung geschrieben. Ich hatte noch ein halbes Jahr Kündigungsfrist und habe die Zeit genutzt, um mich weiterzubilden und zu vernetzen.
Ich: Das ist super spannend, weil unsere Geschichten sich sehr ähneln.
Lisa: Ich kann jetzt sagen, dass es nicht immer alles einfach ist. Ich bin gerade frisch geschieden, und da verändert sich die finanzielle Situation natürlich sehr. Das war ursprünglich als zusätzliches „Mama-Gehalt“ gedacht, und jetzt bin ich als Mutter alleine. Aber ich möchte meine Selbstständigkeit auf jeden Fall weiterführen. Ich habe mich in den letzten Wochen nach Jobs umgesehen, aber nein, das ist nichts für mich.
Vom der VA zur Onlinekurs-Expertin
Ich: Wie bist du denn tatsächlich zu dieser Dienstleistung Onlinekurse gekommen?
Lisa: Von der gleichen Anbieterin meiner VA-Weiterbildung gab es damals einen Kurs für Onlinekurs-Erstellung mit Elopage (heute ablefy). Das fand ich interessant, weil mich das Thema Fortbildung und Weiterbildung schon vorher total interessiert hatte.
Ich dachte erst, ich mache einfach Social Media Management, was viele VAs machen, oder Backoffice, weil ich Bürokauffrau bin. Aber wir haben immer wieder gehört: „Positioniert euch nischig, nischig, nischig!“ Ich dachte: Wie viele machen Backoffice, wie viele machen Social Media, und wie viele machen Onlinekurs-Erstellung? Bei der Onlinekurs-Erstellung war noch nicht so viel vertreten.
Ich habe dann diesen Kurs gebucht und parallel schon eine Testkundin gehabt. Das war perfekt, denn sie hat mir alles in einem Trello Board vorbereitet. Ich hatte auf der einen Seite den Kurs und auf der anderen Seite ihr Projekt und konnte direkt praktisch arbeiten. Danach hatte ich direkt eine weitere Kundin mit mehreren Produkten, sodass ich durchgehend praktisch umsetzen konnte.
Ich habe auch parallel ein Gründungscoaching gemacht und einen Businessplan geschrieben. Der Businessplan ist heute nicht mehr ganz aktuell, aber sich einmal so intensiv mit dem eigenen Business zu beschäftigen, war sehr wertvoll.
Was macht einen guten Onlinekurs aus?
Ich: Die Entwicklung eines Onlinekurses von der Idee bis zur Umsetzung ist ja ein Riesenprojekt. Welche Schritte sind aus deiner Sicht besonders wichtig?
Lisa: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele aus der Coaching-Szene kommen und sagen: „Ich habe ein gut funktionierendes 1:1-Coaching und ein Video davon aufgenommen, das sind so anderthalb Stunden – das soll jetzt mein Onlinekurs sein.“
Aber ein gut funktionierendes 1:1-Coaching ist nicht gleich ein guter Online-Kurs. Natürlich kann man dieses lange Video irgendwo reinstellen und es als Online-Kurs bezeichnen, aber man sollte es eigentlich anders machen.
„Ein gut funktionierendes 1 zu 1 ist aber nicht gleich ein guter Online-Kurs.“ (Lisa)
Die Bedeutung von Struktur im Onlinekurs
Ich: Wie sollte man es denn im besten Fall machen?
Lisa: Ein Kurs braucht auf jeden Fall eine Struktur. Du brauchst einen Willkommensbereich, wo du die Teilnehmer abholst. In vielen Fällen ist es ein kompletter Selbstlernkurs – das ist der Unterschied zu einem Live-1:1 oder Online-Live-1:1.
Schöner und effektiver ist es, wenn du wirklich ein Willkommensmodul hast, wo du dich selbst vorstellst, das Produkt vorstellst und erklärst, wie ihr vorgeht. Zum Beispiel: „Ich habe hier 5 Videos für dich vorbereitet. Nimm dir am besten eines pro Tag. Mach dir Notizen. Wenn du Fragen hast, kannst du mir schreiben.“
Wichtig sind kleine, kurze Videos oder auch mal ein Audio. Ich habe eine Kundin, die ein großes Gruppenprogramm erstellt hat, aber keine Videos aufnehmen wollte. Da haben wir Audios mit PDF-Dateien und etwas Text kombiniert. Du kannst es so bauen, wie es für dich passt, aber die Inhalte sollten für den Teilnehmer gut zu verarbeiten und aufzunehmen sein.
Eignet sich jedes Angebot für einen Onlinekurs?
Ich: Jetzt glaube ich persönlich, dass sich nicht jedes Angebot für einen Onlinekurs eignet, oder?
Lisa: Nein, ich glaube, manche Bereiche bedürfen dieser 1:1-Arbeit oder Live-Arbeit. Manche Themen sind vielleicht zu sensibel, zu intim oder zu intensiv, als dass man sich einfach nur ein Video dazu anschaut.
Man kann auch eine Kombination machen – ein Hybrid-Angebot mit Selbstlern-Elementen und Live-Terminen. Eine Kundin von mir hat zum Beispiel ein Gruppenprogramm erstellt und bietet als Upsell ein 1:1-Gespräch an. Oder man kann im Kurs eine Option einbauen, dass Teilnehmer zusätzlich ein 1:1-Gespräch buchen können.
Ich: Wenn ich eine Idee für einen Onlinekurs habe, wie schaffe ich es, die Struktur zu entwickeln?
Lisa: Ich bin ein Mensch von Papier und Stift. Eine gute Option ist, Post-its zu nehmen und aufzuschreiben: Was ist das Kernthema und wie soll die Transformation sein? Wo stehen die Teilnehmer vor dem Kurs, welche Problemstellung haben sie, und wo stehen sie am Ende?
Das nimmst du als Überschrift und schreibst dann die einzelnen Unterpunkte auf, wie sie von A nach B kommen. Das werden wahrscheinlich die einzelnen Module. Dann sortierst du und schaust, was Sinn macht – vielleicht 3 Module mit jeweils 3 Lektionen oder auch 10 Module.
Nicht vergessen darf man das On- und Offboarding im Produkt. Im Willkommensmodul sollten wichtige Informationen stehen: Wo finden die Live-Termine statt? Wann starten wir? Wie viel Zeit brauche ich pro Woche? Stelle dich auch vor, weil nicht jeder, der dein Produkt bucht, dich bereits kennt.
Am Ende solltest du ein Abschlussmodul machen, das noch einmal zusammenfasst: „Wir waren jetzt hier die letzten 5 Wochen, du bist von Punkt A zu Punkt B gekommen, herzlichen Glückwunsch!“ Hier kannst du auch ein Folgeangebot platzieren oder auf deinen Podcast oder YouTube-Kanal verlinken.
Warum ablefy (ehemals elopage) für Onlinekurse nutzen?
Ich: Warum rätst du dazu, Elopage bzw. jetzt ablefy für Onlinekurse zu nutzen?
Lisa: Es gibt am Markt wahnsinnig viele Onlinekurs-Tools oder Optionen, auch selbst gehostet auf der Website. Man muss schauen, was zu einem passt. Ich bin der Meinung, ablefy passt nicht zu jedem Unternehmen und nicht zu jedem Angebot, weil es monatlich Geld kostet und nicht günstig ist.
ablefy ist eine super Option, wenn man nicht nur ein Produkt verkaufen will, sondern mehrere Produkte oder Gruppenprogramme plant. Ich habe bisher keinen einzigen Kunden, der nur ein Produkt über ablefy verkauft. Sobald du ein Produkt anlegst, entstehen meist schon Ideen für weitere Produkte.
Wenn man wirklich nur ein einziges Produkt verkaufen möchte, kann man auch andere Wege wählen. Ich habe mich zum Beispiel auch für Tentary interessiert, eine Plattform, die auch E-Mail-Marketing, Kalendertool und Linkverkäufe anbietet, aber mit weniger Optionen als ablefy.
Ich mag ablefy als Kundenumgebung, weil ich mich dort gut zurechtfinde und es optisch ansprechend finde. Als Unternehmer ist es praktisch, dass das Hosting des Kurses und die Zahlungsabwicklung in einem System sind. Bei manchen anderen Tools musst du einen Zahlungsanbieter zusätzlich anbinden, was zusätzliche Kosten verursacht und nicht immer einwandfrei funktioniert.
Ich: Ich mag die Plattform auch sehr. Gerade am Anfang, als ich meinen Kurs erstellt habe, war ich froh, weil ich technisch nicht so versiert war. Ich hatte das Gefühl, da ist ein Support im Hintergrund und es ist machbar und lernbar.
Lisa: Ich habe schon viele Erstgespräche geführt, wo Menschen sagten: „Ich probiere das erst mal selbst.“ Dann kann ich die Uhr stellen – zwei Wochen später melden sie sich mit einem kleinen Nervenzusammenbruch. Sie haben selbst probiert, sind nicht weitergekommen und glauben, etwas kaputt gemacht zu haben. Dann machen wir einen Call, schauen uns alles an und besprechen, wie wir es retten können.
Ich zeige den Kunden auch gerne, wie sie später selbst kleine Änderungen vornehmen können. Nach der Erstellung mache ich eine Art „Roomtour“, damit sie wissen, wo alles ist und wie sie selbst etwas anpassen können.
Teilnehmerführung und Motivation in Onlinekursen
Ich: Du hast bereits erwähnt, dass die Kundenreise gestaltet werden muss. Was findest du daran besonders wichtig?
Lisa: Ich finde es wichtig, Vertrauen aufzubauen. Es ist die Aufgabe des Unternehmers, Vertrauen aufzubauen oder so zu bauen, dass ein Vertrauensaufbau möglich ist.
Dann geht es um das Mitnehmen und Motivieren. Wenn du einen umfangreichen Selbstlernkurs hast, der vier Monate dauern soll, ist die Frage: Machen die Teilnehmer wirklich weiter? Da gibt es tolle Funktionen wie Event-E-Mails bei Ablefy. Wenn eine bestimmte Lektion abgeschlossen ist, wird automatisch eine E-Mail versendet: „Herzlichen Glückwunsch, du hast jetzt Modul 5 geschafft. Als Nächstes kommen diese Themen.“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zugriffsdauer. Wenn Teilnehmer lebenslangen Zugriff haben, wird der Kurs vielleicht neben vielen anderen Kursen auf der Festplatte schlummern, weil sie denken: „Das kann ich ja immer noch machen.“ Ich habe einen Kurs gebucht, bei dem man ein Jahr Zugang hat und dann eine Erinnerung bekommt, dass der Zugang bald erlischt. Das setzt die Teilnehmer etwas unter Druck, aber man will ja auch, dass sie zum Ergebnis kommen.
„Es ist die Aufgabe von dem Unternehmer, Vertrauen aufzubauen oder das so zu bauen, dass ein Vertrauensaufbau möglich ist.“ (Lisa)
Zusammenarbeitsmodelle bei der Kurserstellung
Ich: Wenn man mit dir zusammenarbeiten möchte, gibt es verschiedene Möglichkeiten, richtig?
Lisa: Ja, in der Regel wollen die meisten nicht selbst umsetzen, sondern suchen Unterstützung, um es auszulagern. Der Ablauf ist so, dass wir erst ein Erstgespräch führen. Wenn das Interesse besteht, gibt es ein Angebot. Bei Zusage mache ich einen Kick-off-Call, wo wir alles besprechen und auch schon in Ablefy reingehen.
Ich stelle Informationen zur Verfügung: Welche Texte brauche ich für welche Seiten? Wie sollen die Inhalte aufbereitet sein? Ist die Struktur schon da oder müssen wir daran arbeiten?
Wichtig ist, dass ich alle Inhalte übersichtlich an einem Ort bekomme – etwa in einem Trello-Board oder Google-Drive-Ordner. Da ich nicht im Thema stecke, ist es hilfreich, wenn die Materialien klar benannt und strukturiert sind.
Selbst wenn man es selbst machen wollte, wäre es sinnvoll, alles so zu strukturieren, um den Überblick zu behalten. Das ist auch für späteres Nacharbeiten, Überarbeiten oder Erweitern wichtig.
Ich rate immer davon ab, die Inhalte direkt in der Online-Kursplattform zu erstellen. Wenn etwas nicht gespeichert wird oder die Plattform mal ausfällt, ist alles weg. Erstelle die Inhalte immer an einem anderen Ort und speichere sie auf deinem Computer.
Fazit und This or That
Ich: Was war bisher der spannendste Kurs, den du umsetzen durftest?
Lisa: Ich habe mit so unterschiedlichen Kunden gearbeitet – von einer Kunsthistorikerin über einen Anwalt bis zu einer Kita-Fotografin und einer Friseurkette. Ich kann gar nicht sagen, dass ein Thema besonders herausgestochen hat, weil diese Vielfalt an Projekten einfach Spaß macht.
Ich: Herzlichen Dank für deinen wertvollen Input, Lisa! Zum Schluss habe ich noch ein kleines Spiel für dich – This or That. Bist du bereit?
Lisa: Ja!
Ich: Kaffee oder Tee?
Lisa: Kaffee.
Ich: Das Meer oder die Berge?
Lisa: Meer.
Ich: Wenn man aus dem hohen Norden kommt, ist das natürlich klar! Blog oder Podcast?
Lisa: Podcast.
Ich: Instagram oder LinkedIn?
Lisa: Instagram.
Ich: Apple oder Windows?
Lisa: Windows.
Ich: Und jetzt kommt die allerwichtigste Frage: Nutellabrot mit oder ohne Butter?
Lisa: Mit!
Ich: Sehr gut, wie aus der Pistole geschossen. Ich hatte tatsächlich schon Gästinnen, die gar kein Nutella essen. Wir haben keins zu Hause aus Gründen, aber wenn ich mal im Hotel bin, genieße ich sehr, ein Nutella-Brot mit Butter zu essen.
Podcast-Episode #152: Vom Wissen zum Produkt: So entwickelst du Onlinekurse, die wirklich genutzt werden
Kontakt
Wenn du mit Lisa Bendixen in Kontakt treten möchtest, findest du sie unter:
In meinem Podcast „ALLES IM GRIFF im Online-Marketing“ hatte ich das Vergnügen, mit Annette Bauer zu sprechen – Emotionscoach mit „Terriergen“ für Aufschiebeverhalten und Scanner-Persönlichkeiten. Als gebürtige Saarbrückerin hat sie die kölsche Lebensart vollständig aufgenommen und ist in der Rheinstadt heimisch geworden. Annette ist Netzwerkerin aus Leidenschaft und hat vor 10 Jahren das CoachCamp Köln ins Leben gerufen, ein Format, das die Coaching-Welt nachhaltig verändert hat.
In unserem Gespräch haben wir über die Besonderheiten von Scanner-Persönlichkeiten, die Unterschiede zwischen Aufschiebeverhalten und Prokrastination sowie die Entstehung und den Charakter des CoachCamp Köln gesprochen. Hier teile ich die spannendsten Erkenntnisse aus diesem Gespräch mit dir.
Podcast-Episode #146: Interview mit Annette Bauer
Von der Seelsorgerin zur Selbstständigen
Annette Bauer hat einen bemerkenswerten beruflichen Werdegang hinter sich. Bevor sie sich 2014 als Coach selbstständig machte, war sie 21 Jahre lang in der katholischen Gemeindeseelsorge tätig, davon 13 Jahre als Jugendseelsorgerin.
„Ich habe mich Ende 2014, nach meiner allerersten Coachingausbildung, nebenberuflich selbstständig gemacht“, erzählt Annette. „Die Vorstellung, halb in der Gemeinde und halb mein eigenes Ding zu machen, fand ich total super. Das ging gut bis 2019, bis sich meine persönliche Kirchenkrise so zugespitzt hatte, dass ich einfach sagte, ich kann das nicht mehr.“
Nach zwei Jahren ausschließlicher Selbstständigkeit – leider fielen diese in die Coronazeit – arbeitet Annette heute wieder teilweise angestellt und teilweise selbstständig. Sie erklärt: „Wenn du das Leben alleine stemmst, ist Selbstständigkeit ein anspruchsvolles Gebiet. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen als Soloselbstständige sind hierzulande nicht ohne. Auf zwei Beinen zu stehen ist doch auch eine komfortable Sache.“
Was ist eine Scanner-Persönlichkeit?
Ein Kernthema unseres Gesprächs waren die sogenannten Scanner-Persönlichkeiten – Menschen mit einer besonderen inneren Vielfalt. Annette erklärt dieses Phänomen eindrucksvoll:
„Scanner-Persönlichkeiten sind die Menschen der Vielfalt und zwar der inneren Vielfalt im Kopf. Sie haben ständig neue Ideen, haben unglaublich viele Interessen, können sich super breit aufstellen und haben ein unglaubliches breites Wissen, sind aber mit einem Thema auch irgendwann durch.“
Ein typisches Merkmal: Scanner verschaffen sich einen Überblick über ein Thema, vertiefen vielleicht einige Aspekte, aber dann ist es für sie abgeschlossen. „Das bedeutet auch, dass wir unglaublich gut in Projekten sind, weil die einen klar definierten Anfang und ein klar definiertes Ende haben“, ergänzt Annette.
Der Begriff „Scanner-Persönlichkeit“ stammt aus den 1970er Jahren aus den USA und wurde von Barbara Sher geprägt, die bei ihrer Arbeit in der Sozialberatung feststellte, dass manche Menschen nicht unfähig sind, sondern sich einfach schwer entscheiden können, weil sie so viele Interessen haben.
Vielbegabung vs. Aufschiebeverhalten
Ein wichtiger Aspekt, den Annette in unserem Gespräch betont: Scanner-Persönlichkeiten schieben nicht auf – sie sind mit einem Thema einfach durch.
„Weil Scanner gerne auch mal sagen ‚ist jetzt langweilig, mag ich jetzt nicht mehr‘, wird denen oft unterstellt, dass sie Dinge nicht zu Ende bringen. Es entsteht der Eindruck, dass sie aufschieben. Das ist aber nicht der Grund. Es ist nicht, dass die Motivation fehlt oder dass die Arbeitsstruktur nicht vorhanden ist. Wir haben einfach keinen Bock mehr, weil ein Thema für uns innerlich einen Punkt hat. Nur kann das die Außenwelt oft nicht verstehen.“
Annette unterscheidet klar zwischen natürlichem Prioritäten-Management und krankhafter Prokrastination:
„Echte Prokrastination betrifft Menschen, die über ihr Alltagsverhalten ihr Leben gefährden. Oft das soziale Leben, die finanzielle Absicherung – da werden Rechnungen nicht bezahlt, weil man sie nicht aufmacht. Und man legt sie zur Seite und das Gehirn blendet das aus.“
Im Gegensatz dazu ist es gesund und wichtig, Prioritäten setzen zu können und zu entscheiden, was verschoben werden kann: „Wir haben die natürliche Fähigkeit abzuwägen und auch mal neue Prioritäten zu setzen. Das ist ein gutes, natürliches und wichtiges Verhalten. Das hält uns mental gesund.“
Annette über Emotionscoaching
Als Emotionscoach arbeitet Annette mit Menschen, die unter Blockaden leiden oder mit ihrer Scanner-Persönlichkeit hadern. Ihr Ansatz geht über reine Gesprächstherapie hinaus:
„Ich kann total lange reden und dir zehnmal erklären, was die Hintergründe sind – du kannst es trotzdem nicht verändern. Wenn ich nicht an die emotionale Ebene gehe, dahin, wo das Problem entstanden ist, kann ich dem Klienten nicht nachhaltig in seine Veränderung verhelfen.“
Besonders bei Scanner-Persönlichkeiten arbeitet sie oft mit verfestigten negativen Erfahrungen aus der Schulzeit oder dem sozialen Umfeld. „Da geht es darum, hinzuschauen und zu gucken, was diese Erfahrungen mit einem machen. Denn woran sind Erfahrungen geknüpft? An Emotionen.“
Für Menschen, die vermuten, eine Scanner-Persönlichkeit zu sein, empfiehlt Annette zunächst, sich zu informieren: „Hört euch Podcast-Folgen an, macht ein Coaching dazu, schaut eure Biografie an. Es ist wichtig, in Frieden damit zu kommen.“
Für sie selbst war die Erkenntnis, eine Scanner-Persönlichkeit zu sein, eine große Erleichterung:
„Das Ding hat einen Namen. Ich bin nicht allein damit.“
Das CoachCamp Köln – Ein Barcamp für Coaches
Ein besonderes Highlight unseres Gesprächs war die Entstehungsgeschichte des CoachCamp Köln, das Annette 2015 ins Leben gerufen hat.
„Ich habe das Format Barcamp übers Netz entdeckt und dachte, das könnte echt was sein“, erzählt sie. Nach einem Besuch beim Nachhaltigkeitscamp in Bonn war ihr klar: „Das braucht die Coachingwelt!“
Ihre Motivation: „In der Coachingwelt hattest du immer die gleichen Nasen, super Speaker, die auf der Bühne standen. Ich dachte: ‚Ich zahle 700 Euro für ein Ticket, damit der mit 2000 nach Hause geht?‘ Das System, was dahinter steht als Weiterbildung, fand ich ein bisschen zu mäßig.“
Das Barcamp-Format hingegen beruht auf einem anderen Prinzip: „Jeder, der kommt, hat eine Expertise in der Tasche. Jeder weiß etwas, was anderen nützlich sein kann.“
Der Start war nicht einfach: „Es war im ersten Jahr schwer, einen Start zu kriegen und mit einer schwarzen Null rauszugehen. Aber wir haben es geschafft. Und dann war das Ding nicht mehr aufzuhalten.“
Was ist eigentlich ein Barcamp?
Für diejenigen, die mit dem Begriff „Barcamp“ nichts anfangen können, erklärt Annette das Format:
„Man sagt auch Unkonferenz dazu, was schon deutlich macht, dass es kein festes Programm gibt. Jeder Tag hat den gleichen Aufbau: Ankommen, Käffchen trinken, Vorstellrunde, Pitchen, Loslegen.“
Beim Pitchen können Teilnehmer 45-minütige Sessions anbieten – sei es ein Kurzvortrag, ein Workshop oder eine Diskussion zu einem bestimmten Thema. „Nach dem Pitchen machen wir den sogenannten Session-Plan. Aus allen Vorschlägen gestalten wir ein Tagesprogramm mit parallelen Sessions in 4 oder 5 Räumen.“
Eine wichtige Barcamp-Regel: „Man darf unbedingt immer einen Raum verlassen und woanders hingehen. Wir sind wie die Bienchen, wir dürfen fliegen von Blümchen zu Blümchen.“
Was das Coachcamp Köln besonders macht, ist die Atmosphäre und die Mischung der Teilnehmer. Annette beschreibt es als „Familientreffen“:
„Wir haben bei unserem Barcamp immer ungefähr halbe-halbe. Die Hälfte ist Stammpublikum, und wenn all die alten Hasen kommen, ist es ein großes Hallo. Die andere Hälfte sind neue Leute, die uns über das Jahr entdecken oder über Empfehlungen kommen. Das Phänomen ist, dass die innerhalb von einer Stunde Teil der Gruppe sind.“
Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Bei meinem ersten Coachcamp 2023 war die Stimmung direkt herzlich und einladend. Es ist eine „absolute Begegnung auf Augenhöhe und zwar ab der ersten Minute“, wie ich im Gespräch betonte.
Besonders schätze ich die Mischung aus Offline-Coaches und Online-Unternehmern: „Das ist eine gewinnbringende Mischung an Menschen, die ganz fantastisch ist.“
Annette ergänzt: „Wir haben eine Mischung zwischen Coaches im eigentlichen Sinne und Leuten, die mit Themen rund um die Selbstständigkeit arbeiten – Social Media, Buchhaltung, Zeitmanagement, Stimme und Auftreten. Was so klassisch Coaching-Bubble in der Öffentlichkeit ist – große Motivationstrainer, große Bühnen, 9000-Euro-Programme – die sind bei uns nicht. Die gehören da auch nicht hin.“
10 Jahre Coachcamp Köln – Das Jubiläum steht an
Im Januar 2026 feiert das Coachcamp Köln sein 10-jähriges Jubiläum. „Das ist echter authentischer Stolz, dass ich dieser Idee treu geblieben bin, auch mit vielen Teamwechseln“, strahlt Annette.
Die Veranstaltung findet am 30. und 31. Januar 2026 im Stollwerk in Köln statt. Die Tickets sind bereits erhältlich und für ein zweitägiges Event mit Mittagessen an beiden Tagen erstaunlich günstig.
„Es ist wirklich ein Herzensprojekt, was man mit Leidenschaft macht“, betont Annette. „Es ist keine profitorientierte, sondern eine qualitätsorientierte Veranstaltung.“
Wenn du Lust hast, Annette und mich dort persönlich kennenzulernen, dann sichere dir doch direkt ein Ticket. Alle wichtigen Infos dazu findest du hier: CoachCamp Köln 2026
Fazit: Vielfalt als Stärke
Mein Gespräch mit Annette Bauer hat gezeigt, wie wichtig es ist, die eigene Vielfalt als Stärke zu erkennen und zu nutzen. Ob als Scanner-Persönlichkeit oder als Netzwerker – es geht darum, den eigenen roten Faden zu finden und authentisch zu bleiben.
Für Annette ist klar: „Wir haben alle Prägungen, Erlebnisse haben wir immer in uns. Aber es geht darum, an den Punkt zu kommen, dass mich das nicht mehr stresst oder dass ich den Stress so weit runterfahre, dass ich weiß, wie ich damit umgehen kann.“
Das CoachCamp Köln bietet einen Raum, in dem diese Vielfalt gefeiert wird und jeder mit seinen Stärken und seinem Wissen willkommen ist. Eine Plattform, auf der das Netzwerken auf Augenhöhe stattfindet und echte Begegnungen entstehen können.
Du möchtest beim 10-jährigen Jubiläum des CoachCamp Köln dabei sein? Die Veranstaltung findet am 30. und 31. Januar 2026 im Stollwerk in Köln statt. Hier kannst du dir dein Ticket sichern.
Mehr über Annette Bauer erfährst du in ihrem Podcast „Coach Camp im Gespräch“ oder auf ihrer Website.
Möchtest du mehr Tipps für dein Online-Marketing? Dann abonniere meinen Newsletter, die MarketingPost, und erhalte regelmäßig Impulse für ein entspanntes und effektives Marketing.
Ich bin Silke, Online-Marketing- und Content-Coach für selbstständige Frauen, die gestressten Marketing-Muffeln hilft, ihr Online-Marketing mit Leichtigkeit und Authentizität zu meistern, indem ich mit ihnen maßgeschneiderte Strategien entwickle, die nicht nur effektiv sind, sondern auch Spaß machen und perfekt zu ihrer Persönlichkeit passen."