Noch ein Blogartikel über Corona? Muss das sein?

Ja, denn hier möchte ich dir schreiben, wie es ganz konkret bei uns zuhause in Südtirol aussieht, welche Einschränkungen es durch die Pandemie gibt und wie wir mit dieser neuen Situation leben.

Sicher fühlst du es auch. Dieses ganz besondere Gefühl der Anspannung und Ungewissheit. Es ist ein komplett neues Gefühl, oder? Es ist eine ganz besondere Situation, in der wir uns momentan befinden und sicher ist diese Situation für viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht einfach. Das komplette gesellschaftliche Leben ist hier bereits seit einer Woche auf das Minimum reduziert. Wir, d.h. mein Mann, unsere Tochter und die Schwiegereltern, verlassen quasi überhaupt nicht mehr unser Grundstück. Ich gebe zu, in den ersten Tagen hat mir diese Quarantäne psychisch zu schaffen gemacht – es ist eben doch ein Unterschied, ob man nicht raus geht, weil man keinen Bock hat oder ob man nicht rausgehen darf…

Ich habe mich dann aber auf meine Morgenroutine besonnen, die aus Meditation, Journaling und einem Morning-Walk besteht. Seitdem geht es mir wieder viel besser!

Es gibt überhaupt keinen Grund, an Routinen etwas zu verändern, die gut funktionieren und die trotz Corona unbedenklich durchzuführen sind. Ich stehe sowieso zwischen 4:00 und 4:30 Uhr auf und mache den Morning-Walk halt so früh, dass ich niemanden begegne. Das also schon als ersten Tipp: Behalte bewährte Dinge und Routinen bei, damit du gut durch diese schwierige Zeit kommst. Achte aber auch darauf, dass sie „corono-konform“ sind.

Alle unter einem Dach

 

Oft bin ich gefragt worden, ob es denn eine gute Idee war, zu meinem Mann in das Haus zu ziehen, in dem auch die Schwiegereltern wohnen. In dieser Gegend ist es durchaus nicht unüblich, dass mehrere Generationen unter einem Dach leben. Ich kenne das aus Deutschland, wo ich aufgewachsen bin, überhaupt nicht.

Wir leben hier als Familie nun schon seit drei Jahren unter einem Dach und auch schon bevor diese ganz besondere Situation eingetreten ist, konnte ich die Frage nur von ganzem Herzen bejahen. Ich habe aber auch tolle Schwiegereltern, sonst hätte ich das nicht gemacht.

Wir haben ein großes Haus mit drei Etagen und jede Etage hat eine eigene, abschließbare Tür. Wenn wir es darauf anlegen würden, dann könnten wir komplett aneinander vorbeileben. Aber auch wegen meiner kleinen Tochter finde ich es unheimlich schön, wenn wir ein- oder zweimal am Tag alle in der großen Küche zusammensitzen und uns austauschen. Ich selbst habe als kleines Kind, also bevor ich in den Kindergarten gegangen bin, viel Zeit bei meinem Opa verbracht, weil meine Mutter wieder arbeiten gehen musste. Ich habe nur die allerbesten Erinnerungen an diese Zeit und auch deshalb finde ich es so schön, dass meine Tochter ganz eng mit Oma und Opa aufwachsen kann – das erleichtert natürlich oft und auch gerade jetzt das Leben sehr.

 

Homeoffice für alle

 

Mein Mann arbeitet normalerweise bei der Landesverwaltung Südtirol in Bozen. Jetzt darf er beruhigender- und erfreulicherweise Homeoffice machen. Das bedeutet aber natürlich, dass wir zur Zeit 24h am Tag in einem Haus „hocken“ und das erfordert einfach, dass man Kompromisse eingeht und immer auch im Hinterkopf hat, dass auch der andere Teil arbeiten muss und seine Dinge zu erledigen hat. Auch mit dieser Situation müssen wir lernen, umzugehen. Vor der Ausgangssperre war mein Mann unter der Woche ganztägig nicht da, auch das bedeutet also eine Umstellung auf unbestimmte Zeit.

Wir haben es jetzt so vereinbart, dass Oma und Opa morgens auf unsere Tochter aufpassen und sich mit ihr beschäftigen dürfen – denn auch die beiden haben ein bisschen Langeweile, weil sie das Grundstück wie alle anderen nicht verlassen sollen. Mein Mann und ich arbeiten bis zum frühen Nachmittag und dann verbringen wir bei schönem Wetter ein paar Stunden im Garten und genießen die Zeit zusammen. Wenn ich ehrlich bin: Ich genieße das trotz der Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sehr. Wir haben uns sonst bisher viel zu selten die Zeit genommen, so viel miteinander zu spielen und das Beisammensein zu genießen. Ich hoffe, das können wir für uns als Familie aus dieser Krise mitnehmen.

Mir ist durchaus bewusst, dass sich die Einschränkung der Bewegungsfreiheit bzw. eine Ausgangssperre einfacher aushalten lässt, wenn man einen Garten hat, also auch mal rausgehen kann und nicht in einer Mietwohnung lebt. Dennoch: Sucht euch Orte, wo es nicht so voll ist. Reißt die Fenster auf. Macht aus der Wohnung einen Abenteuerspielplatz. Seid kreativ oder googled nach Ideen. Das Internet ist jetzt voll von Vorschlägen, was man als Familie auch auf kleinem Raum veranstalten kann, damit sich die Einschränkungen nicht zu sehr auswirken.

Es wird auch über Facebook unheimlich viel angeboten: Schaut doch mal bei der tollen Lena Busch in der Gruppe Familienleicht vorbei. Sie bietet z.B. virtuelles Coworking und CoPlay an.

 

Zu viele Angebote?

Was mir in den letzten Tagen gerade auf Instagram aufgefallen ist, ist das unglaublich große Angebot an Kursen, Workshops, bezahlten und unbezahlten Angeboten der Kolleginnen und Kollegen. Sind das zuviele Angebote? Ist es nicht irgendwie auch schmählich, jetzt die Angebote rauszuhauen, wo die Leute doch auch mit sich selbst und ihrer Situation rund um Corona zu tun haben? Das kann man natürlich so sehen und den Anbietern vorwerfen, dass sie die Pandemie ausnutzen, um damit Geld zu machen.

Ich persönlich denke aber nicht, dass das für die meisten Anbieter gilt. Mein Eindruck ist tatsächlich, dass es zwar sehr viele Angebote gibt im Moment. Ich glaube und weiß auch, dass viele Kolleginnen und Kollegen ihr Angebot früher auf den Markt bringen, als sie es vielleicht geplant hatten. Aber ich denke tatsächlich nicht, dass sie das tun, um damit reich zu werden. Viel mehr scheint es mir so, dass ein Gefühl des Aktionismus vorherrscht, des Wunsches, jetzt Angebote anzubieten um etwas beizutragen zu der Situation.

Und ganz ehrlich: Wir sind alle 3×7. Jeder von uns kann selbst entscheiden, was er gerade machen möchte und was für ihn Sinn ergibt. Niemand entmündigt euch. Also entscheidet einfach selbst, ob ihr auf eines der viele Angebote einsteigen möchtet oder nicht.

Weitermachen wie bisher?

Was das Business angeht und so komisch es vielleicht klingt: Ja, ich werde weitermachen wie bisher. Ich habe vor knapp drei Monaten mein Online-Business gestartet und ich bin zum einen unglaublich dankbar für die Tatsache, dass ich von zuhause aus arbeiten kann. Zum anderen arbeite ich auch ausschließlich mit Frauen zusammen, die auch ein Online-Business haben. Insofern bleibe ich, bleiben wir (noch) weitestgehend verschont. Ich sehe daher keinen Grund, jetzt die Hände in den Schoss zu legen und abzuwarten. Liebe engagiere ich mich noch ein bisschen mehr und biete Hilfe an, wo ich helfen kann.

Womit man aber zur Zeit nicht weitermachen sollte und darf wie bisher, ist die persönliche Freizeitgestaltung.

 

Sehr fragwürdige Kommentare zum Thema Corona

Heute morgen habe ich wieder den Fehler gemacht, zuerst in die Social Media Kanäle zu schauen. Nicht gut. Danach habe ich mich so aufgeregt und war so aufgewühlt, dass ich die nächsten zwei Stunden etwas davon hatte. Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen so gänzlich ignorieren können, was gerade passiert.

Hier sind meine „Highlights“ der fragwürdigsten Kommentare zum Thema Coronavirus:

  1. Das ist ja nur in Italien so schlimm. Hier wird es nicht so ausarten.
  2. Ich bin jung, ich bekomme kein Corona
  3. Corona ist auch nicht schlimmer als ’ne Grippe

Ich möchte diese Aussagen mal so stehen lassen – als Zeichen für die unglaubliche Ignoranz und Uninformiertheit mancher Menschen.

Niemand mag Einschränkungen, aber…

Wir alle sind gefordert, uns in unserem Leben und in unserer persönlichen Entfaltung einzuschränken, um die Folgen dieser Pandemie so gut es geht einzudämmen. Das wird eine Mammutaufgabe und sicher kein Sprint sondern eher ein Marathon. Gestern wurde bereits von der Landesregierung Südtirol verkündet, dass die Schulen (weit) über den 3. April 2020 hinaus geschlossen sein werden. So richtig das auch aus meiner Sicht ist, es erleichtert die Situation gerade für Familien natürlich nicht. Ich muss aber auch sagen, dass ich gerade überhaupt nicht auf die Idee kommen würde, meine Tochter in eine Betreuungseinrichtung zu geben, wo noch mindestens 10 andere Kinder sind, deren Eltern zumindest zum Teil noch arbeiten gehen und Kontakt zu potenziell infizierten Menschen haben. Versteht mich nicht falsch: Meine Angst gilt nicht einer Ansteckung – auch wenn ich darauf sicher nicht scharf bin. Aber wieso sollte ich riskieren, eine Verbreitung des Virus zu unterstützen, dadurch das meine Tochter eine Infektion aus der Betreuung mitbringt? Das ergibt für mich als sozial denkender Mensch überhaupt keinen Sinn. Schwierig ist die Situation allemal, ich möchte das nicht beschönigen, aber wir machen es nicht besser dadurch, dass wir unsere Bedürfnisse über die der Allgemeinheit stellen.

Wie müssen denn die Einschränkungen überhaupt aussehen? Ist es nicht okay, wenn man noch mit Freunden im Café sitzt und die Sonne und den Frühling genießt? Ich habe dazu eine ganz klare Meinung: #staythefuckhome! Es ist so wichtig in dieser Phase, dass wir unser bestmöglichstes tun, um die Pandemie in Schach zu halten (sofern das überhaupt möglich ist), und dazu zählt:

  • Bleibt so gut es geht daheim, geht nur für notwendige Besorgungen raus – und zwar alleine!
  • Haltet Abstand voneinander (mind. 1m)
  • Wascht euch regelmäßig und gut die Hände, mindestens 30 sek (das ist 2x das Lied „Alle meine Entchen“ hintereinander – es darf aber auch die Hymne eures Lieblingsfußballvereins sein)
  • Wenn ihr spazieren geht, dann macht das alleine oder nur mit Menschen, die in eurem Haushalt wohnen
  • Haltet Abstand zu anderen Menschen (noch mal!) – auch im Supermarkt!
  • Zu den notwendigen Dingen, die man gerade machen sollte gehören nicht: Kaffee trinken gehen mit Freunden, Partys mit möglichst vielen Menschen feiern, zum Friseur gehen (da muss mir sowieso mal jemand erklären, wie das mit dem Abstand gehen soll…

Also:

#staythefuckhome

#flattenthecurve

 

Alles wird gut!

Ich bin der festen Überzeugung, dass alles gut wird. Ich bin ein sehr positiv denkender Menschen. Aber machen wir uns nichts vor: Das wird sehr lange dauern, bis wir uns von dieser Pandemie erholt haben – wirtschaftlich und persönlich. Und es wird anders sein, als vor der Coronakrise. Aber -und das soll wirklich kein platter Spruch sein – es kann auch eine Chance für uns sein.

Sorge auch in dieser Zeit für dich, denn es handelt sich jetzt nicht um ein paar Tage, die wir uns einschränken müssen, sondern um Wochen oder Monate. Pass gut auf dich auf!

 

Wie geht es dir?

Wenn du magst, dann erzähle doch mal, wie es dir im Moment geht? Wie musstest du dein Leben bisher einschränken? Ich freue mich über deinen Kommentar oder lass uns gerne vernetzten – meine Social-Media-Kanäle findest du weiter unten!

 

Von Herzen alles Gute für dich!

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